Asyl

FAQs

Warum hat DOSSIER Österreichs Asylsystem untersucht?

DOSSIER greift Themen von öffentlichem Interesse auf. In der Vergangenheit berichteten Medien vereinzelt von untragbaren Zuständen in Asylunterkünften. Zu landesweiter Bekanntheit brachte es das Quartier auf der Kärntner Saualm. Da die Republik Österreich nach internationalen Regelwerken dazu verpflichtet ist, Menschen während der Dauer ihres Asylverfahrens eine menschenwürdige Unterbringung zu bieten, entschloss sich DOSSIER, eine flächendeckende journalistische Untersuchung in drei Bundesländern durchzuführen.

Warum wurden gerade die Bundesländer Burgenland, Niederösterreich und Salzburg untersucht?

DOSSIER musste wählen: Eine Untersuchung von Unterkünften in allen neun Bundesländern wäre aufgrund beschränkter Ressourcen nicht möglich gewesen. Vorrecherchen ergaben, dass in einigen Bundesländern besonders negative (Kärnten), in anderen besonders positive Zustände (Vorarlberg) zu erwarten sind. In Wien wohnt die überwiegende Mehrheit (70 Prozent) der Asylsuchenden in privaten Wohnungen. Diese drei Bundesländer wurden deshalb im Vorhinein ausgeschlossen, um das Ergebnis der DOSSIER-Untersuchung nicht zu verzerren. Aus den restlichen Bundesländern wurden Salzburg, Niederösterreich und das Burgenland ausgewählt. Diese drei Bundesländer stellen aus unserer Sicht eine repräsentative Stichprobe dar und stehen für den österreichischen Durchschnitt.

Was ist ein Kriterienkatalog?

Der Kriterienkatalog ist die Grundlage für die Bewertung der Unterkünfte und die Basis der datenjournalistischen Aufbereitung. Die sechs Kategorien (Lage und Infrastruktur, Gebäude, Zimmer, Sanitäranlagen, Verpflegung, Umgang und Betreuung) zeichnen ein umfassendes Bild von der jeweiligen Unterkunft. Die 58 Einzelfragen wurden vor Ort ausgefüllt, teils durch eigene Beobachtungen, teils durch Interviews mit Asylsuchenden. Insgesamt wurden 79 Kriterienkataloge händisch ausgefüllt und hinterher digitalisiert.

Wie wurden die Asyl-Unterkünfte betreten?

Durch Türen. Großteils hat das DOSSIER-Außenteam Asylsuchende vor deren Unterkunft, in Parks oder Supermärkten angesprochen und wurde in die Wohnräume der Bewohnerinnen und Bewohner eingeladen. In anderen Fällen hat DOSSIER an Zimmertüren geklopft und wurde von Asylsuchenden hereingebeten.

Warum wurde mit versteckter Kamera gearbeitet?

Während der Recherche sind wir vor allem auf eines gestoßen: ein verschlossenes System. In Niederösterreich dürfen Betreiberinnen und Betreiber nicht ohne die Erlaubnis der Landesregierung mit Journalisten sprechen. Hätte sich DOSSIER bei den Quartierbetreibenden im Vorfeld angemeldet, wären die meisten Türen verschlossen geblieben. Nur eine Betreiberin erlaubte DOSSIER, mit den Asylsuchenden weiterzusprechen und zu weiterfilmen, nachdem sie das Außenteam entdeckt hatte. In den übrigen zehn Fällen, in denen das Außen-Team von den Betreibern entdeckt wurde, wurde DOSSIER vom Grundstück verwiesen und mit der Polizei gedroht. Nur mit versteckter Kamera war es möglich, die tatsächlichen Zu- und Missstände zu dokumentieren.

Wie wurde das Projekt finanziert?

Eine umfassende Recherche wie DOSSIER: Asyl ist teuer. Rund 95.000 Euro kostete das Projekt bisher. Spesen wie Fahrtkosten, Unterkunft und Verpflegung mussten sofort bezahlt werden. Hier wurde DOSSIER vom Medienpartner ServusTV mit 7.000 Euro unterstützt. ServusTV und die FH Wien stellten fünf verschiedene Videokameras, zwei Audioaufnahmegeräte und zwei Fotoapparate zur Verfügung. Kosten, die bisher nicht fällig wurden (vor allem Personalkosten), konnten noch nicht ausbezahlt werden.