
Du warst vor deiner Zeit bei DOSSIER als Musikmanager tätig. Wie bist du zu dem Job gekommen? Ich habe immer schon gemeinsam mit Freunden Partys veranstaltet. So habe ich erste Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Veranstaltungshäusern gesammelt. Auf einer Jobplattform habe ich dann Ende 2012 eine Anzeige der Band 5/8erl in Ehr’n gesehen. Sie haben einen Booker gesucht, also jemanden, der sich um alle Belange rund um Konzerte kümmert, der Veranstaltungshäuser und Festivalbetreiber·innen anschreibt und der auch Anfragen für Auftritte entgegennimmt. Ich habe mich beworben und die Stelle bekommen.
Wie sah dein Arbeitsalltag aus? Ich habe letztlich nicht nur das Booking für die Band gemacht, sondern auch das Künstlermanagement und die Pressearbeit. Schnell war klar, dass ich mich am besten selbstständig mache, wenn ich in der Musikszene Fuß fassen möchte – auch weil im Laufe der Jahre immer mehr Bands dazugekommen sind. Ich habe im Jänner 2014 die Musikagentur Konvoi gegründet, und der Slogan war »Join the Caravan of Love« (Schließe dich der Karawane der Liebe an) – ein wunderschöner Song von den Isley Brothers.
Was verbindest du mit diesem Lied? Es verkörpert für mich das Gemeinsame und das Sich-aufeinander-Verlassen – beides ist in dieser Arbeit und der Branche unabdingbar. Auch ein Konvoi steht symbolisch für das gemeinsame Unterwegssein, für eine gegenseitige Unterstützung und für ein Miteinander. Das sind Werte, die mir wichtig sind: Wertschätzung und Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Warum hast du dich entschieden, die Branche zu wechseln? Die Pandemie hatte gravierende Auswirkungen auf die Musikszene. Da habe ich erstmals gemerkt, dass mir die Freude an dem Beruf etwas abhandengekommen ist. Nach über 1.000 organisierten Konzerten habe ich mir die Frage gestellt, ob ich nochmal so viele veranstalten möchte, und die Antwort darauf war ganz klar: Nein! Also habe ich mich umgesehen, was ich sonst noch machen könnte, und habe im Frühjahr 2025 die Stellenausschreibung von DOSSIER gesehen.
Kanntest du uns schon davor? Ich kenne DOSSIER seit 2018, habe damals das erste Printmagazin über die »Kronen Zeitung« über ein Crowdfunding mitfinanziert und bin seit 2021 auch Mitglied. Ihr seid werbefrei und mitgliederfinanziert, diesen Zugang kannte ich von anderen Medien nicht, und das hat mich sehr angesprochen.
Was interessiert dich am investigativen Journalismus? Dass er Themen behandelt, über die man anderswo nicht lesen würde. Und Recherchen ermöglicht, die in die Tiefe gehen, wo man als Leser·in merkt, dass viel Zeit und Ressourcen investiert worden sind. Oft sind auch Menschen im Fokus, die marginalisiert sind und keine starke Lobby haben, die sich für ihre Interessen einsetzt. Und für mich ist das insgesamt sinnstiftend, für ein unabhängiges Investigativmedium zu arbeiten, weil das Ergebnis einer funktionierenden Demokratie und der Gesellschaft zugutekommt.

Es freut uns total, dass wir dich nicht nur als Leser, -sondern seit Mai dieses Jahres auch als Kollegen mit an Bord haben. Wie war der Einstieg bei uns? Nachdem mein Arbeitgeber dieses Gespräch lesen wird: Der Einstieg war gut! Trotzdem war der Schritt von der Selbstständigkeit in ein Anstellungsverhältnis eine große Umstellung. Da weiß ich es zu schätzen, dass man bei DOSSIER flexible Arbeitszeiten hat und eher
in Abgabefristen denkt, als jeden Tag verpflichtend acht Stunden im Büro sitzen zu müssen.
Was ist der Kern deiner Tätigkeit bei uns? Ich betrachte die DOSSIER-Redaktion wie eine Musikband, nur dass die Werke nicht künstlerisch, sondern journalistisch sind. Meine Aufgabe ist, diese Werke zu vertreiben, zu vermarkten und zu verwerten – in welcher Form auch immer. Speziell bei unseren Theaterproduktionen gibt es viele Parallelen zu meiner vorherigen Arbeit als Musikmanager: Wir bringen investigative Recherchen auf die Bühne, und ich bin dafür verantwortlich, dass die Kooperationen mit diversen Theatern zustande kommen. Außerdem kümmere ich mich gemeinsam mit anderen im Team um die strategische Weiterentwicklung von DOSSIER: von neuen Features für die Website über neue Abo-Modelle für unsere Mitglieder bis zu Werbekampagnen und anderen Marketingaktionen.

Du hast dein Bewerbungsgespräch zwar schon positiv abgeschlossen, aber: Wo siehst du dich bei DOSSIER in fünf Jahren? Was mich total reizt und interessiert, ist, die Angebote für Mitglieder zu erweitern, um mehr Leute zu erreichen. Es wird in den nächsten Monaten einige Neuerungen geben, unter anderem ist auch eine kleine Merch-Kollektion geplant. Aktuell haben wir rund 6.000 Mitglieder, und ich möchte, dass DOSSIER in wenigen Jahren mehr Unterstützer·innen hat, als Konzertbesucher·innen in die Wiener Stadthalle passen – also etwa 16.000 Menschen.
