In den fünfzehn Jahren seit seiner Machtübernahme hat Viktor Orbán Ungarn an die Schwelle zur Autokratie geführt: Er hat die demokratischen Institutionen ausgehöhlt – neben den freien Medien auch die unabhängige Justiz sowie die faire Wahlordnung.
Orbáns Ungarn gilt mittlerweile als »illiberale Demokratie« – eine unter Politolog·innen umstrittene Bezeichnung: »Wenn es keinen fairen Wahlkampf gibt, in dem alle Parteien in einem fairen Wettstreit konkurrieren, kann man von keiner Demokratie mehr sprechen«, sagt Politologe und Osteuropa-Experte Tobias Spöri von der Universität Wien.
Ähnlich sieht das auch András Fekete-Győr. Der 36-jährige Rechtsanwalt sitzt auf einer Parkbank vor dem ungarischen Parlament in Budapest und erzählt im Gespräch mit DOSSIER, wie er vom Parteigründer zum gescheiterten Orbán-Herausforderer und schließlich zum verurteilten Straftäter wurde. »Ich bin der erste politische Sträfling des Orbán-Regimes. Sie haben mir mein parlamentarisches Mandat weggenommen«, sagt er.
Der Platz vor dem Parlament ist nach einem anderen Rechtsanwalt benannt: nach Lajos Kossuth, einem der wichtigsten Nationalhelden Ungarns. 1848 führte er den Aufstand gegen die österreichische Fremdherrschaft an, rief zur »Verteidigung des Vaterlandes« auf und befahl den Marsch auf Wien. Doch Kaiser Franz Joseph schlägt den Aufstand im Jahr darauf mit der Hilfe Russlands militärisch nieder. Unabhängigkeit erlangte Ungarn erst nach dem Ersten Weltkrieg.
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