Die Zeit des Nationalsozialismus ist ein heikles Thema. Die Österreichische Brau AG, die Jahrzehnte später mit der Steirerbrau AG zur Brau Union fusionierte, passte sich mit dem »Anschluss« 1938 rasch an die neuen Machthaber an – bereits davor hatten patriarchale Strukturen und ein ausgeprägtes Standesbewusstsein das Unternehmen bestimmt. Der Historiker Stefan Wedrac veröffentlichte 2021 das Buch »Die Brauerei Zipf im Nationalsozialismus«, in dem er die Rolle der österreichischen Brauindustrie vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg beschreibt.
Laut Wedrac waren einige Personen aus dem ursprünglichen Eigentümerkreis »überzeugte Antisemiten«, allen voran Carl Beurle – dessen Haltung habe die
Unternehmenskultur und das soziale Klima in der Brau AG nachhaltig geprägt. Unter den Nazis wurde die Brauerei Zipf – damals teilweise im Eigentum der Brau AG – in die NS-Kriegswirtschaft integriert. Die Kelleranlagen wurden beschlagnahmt und Teile des Firmengeländes für den geheimen Rüstungsbetrieb der V2-Rakete mit dem Decknamen »Schlier« genutzt.
Die SS errichtete auf den Brauereigründen das zum Konzentrationslager Mauthausen gehörende Außenlager Redl-Zipf, in dem über 1.900 Zwangsarbeiter·innen aus ganz Europa unter unmenschlichen Bedingungen schuften mussten. Sie wurden gezwungen, Stollen und Bunker zu bauen, produzierten Flüssigsauerstoff und testeten Raketentriebwerke. Viele überlebten die Zwangsarbeit nicht.
Bis heute engagiert sich der Gedenkverein Arge Schlier für die Aufarbeitung dieser Zeit und den öffentlichen Zugang zu den historischen Stätten. Im Juli 2025 trafen sich Führungskräfte der Brau Union mit Vertreter·innen der Arge Schlier, des Innenministeriums und des Mauthausen Memorial. »Wir haben mit allen von Ihnen genannten Vertreter·innen eine gute Gesprächsbasis«, so die Brau Union in einem Statement gegenüber DOSSIER. »Gemeinsam suchen wir in gutem Einvernehmen nach einer für alle Seiten zufriedenstellenden Lösung.«