Rechte Gefahr

Österreichs extrem rechte Szene ist bewaffnet, gefährlich und sogar mit ­Polizei und Bundesheer vernetzt. Obwohl bei Razzien Arsenale an ­Waffen und Sprengstoff ­gefunden werden, bleibt der öffentliche Aufschrei aus. ­Eine Bedrohung von rechts.

Text: Michael Bonvalot

Terror15.10.2021 

Aufmacherbild:  Georg Hochmuth / APA / picturedesk.com

Es hätte für die Bewaffnung einer ganzen Kompanie gereicht: 76 halb- und vollautomatische Waffen, Pistolen und Revolver, zwei Kilogramm TNT-Sprengstoff, Handgranaten, Minen sowie rund 100.000 Schuss Munition – gefunden bei Hausdurchsuchungen im Großraum Wien im Dezember 2020. »Es waren Berge von Waffen«, zitiert der Kurier einen Augenzeugen. Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl spricht im Anschluss an die Razzia von einem »der größten Waffenfunde seit Jahrzehnten«.

Laut Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) waren die Waffen für den Aufbau einer rechtsextremen Miliz in Deutschland gedacht. Es dürfte höchste Zeit für den Einsatz gewesen sein: Teils war das Kriegsgerät bereits für den Transport verpackt. Im Zuge der Razzia werden insgesamt sieben Personen verhaftet: fünf in Österreich und zwei in Deutschland. Wofür die Waffen konkret bestimmt waren, sei Gegenstand der Ermittlungen, sagt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien zu DOSSIER. 

Hauptverdächtiger ist der 54-jährige Peter B., in der rechten Szene ein bekanntes Gesicht. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Der österreichische Elektrotechniker ist seit Jahrzehnten in neonazistischen Strukturen bestens vernetzt. Bereits rund um die Anschlagsserie der sogenannten Bajuwarischen Befreiungsarmee in den 1990er-Jahren stand er vor Gericht. Damals wurde er mangels Beweisen von einer Beteiligung freigesprochen, aber wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung verurteilt.

Eine weitere Razzia gegen die Gruppe rund um B. führt im Juli 2021 zu neuen Waffenfunden: Sichergestellt werden halb- und vollautomatische Schusswaffen sowie kistenweise Munition. Unter den Maschinenpistolen ist auch ein Sturmgewehr vom Typ StG 77, die Standardwaffe des österreichischen Bundesheeres. Arsenale wie diese sind die Spitze des Eisbergs. Laufend gibt es besorgniserregende Waffenfunde in der extrem rechten Szene.

Exklusiv für Mitglieder

Werden Sie Mitglied und unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

Sie erhalten die DOSSIER-Magazine des kommenden Jahres und sofort Online-Zugang zu exklusiven Geschichten.
Aktuell: Unsere Artikelserie zu den Machenschaften des Österreichischen Skiverbands und seinem scheidenden Präsidenten Peter Schröcksnadel.

Mehr erfahren

Mitglied werdenund alle Artikel lesen