Alles Fassade

Billig, gut, problematisch: Mit Eigenmarken bauen die Handelsriesen ihre Macht aus und setzen Hersteller unter Druck. Denn um Umsätze zu sichern, produzieren viele Markenhersteller auch für den Handel. Ein gefährliches Spiel.

Text: Maximilian Miller; Visualisierung: Fabian Lang

Supermärkte26.9.2020 

Eine von zwei Maschinen ist schon weg. Rechteckige, saubere Flecken auf dem staubigen Fabrikboden zeigen, wo sie bis vor kurzem stand. Die andere – »der Mercedes unter den Tabletten­pressen« – wird auch bald von Mondsee in Oberösterreich nach Anif in Salzburg übersiedelt. Bis zu 1.200 Geschirrspültabs pro Minute könne sie herstellen, erzählt Josef Dygruber stolz. Vor 25 Jahren gründete er die Firma ­Claro und schaffte es mit seinem Geschirrspülmittel made in Austria, auf dem Markt zu bestehen.

Eines seiner Erfolgsgeheimnisse: Er presste nicht nur seine eigenen Tabs, sondern auch die der Konkurrenz. Es klingt widersinnig, doch Dygruber stellte auch jene Produkte her, die im Supermarktregal neben seinen Claro-Tabs stehen, aber weniger kosten: die Eigenmarken des Handels, Clever (Rewe), Splendid (Spar) und Alio (Hofer).

Er machte nie einen Hehl daraus: Wenn die Kunden nicht zu seinen Tabs griffen, sondern zur Billigware, dann verdiente er trotzdem mit. Die Rechnung ging auf – nun zieht der Claro-Chef dennoch einen Schlussstrich: »Der Handel nimmt dich nur so lange her, solange es sein finanzieller Vorteil ist«, sagt der 52-Jährige zu DOSSIER. »Ich habe mir geschworen, wenn ich mir das irgendwie leisten kann, will ich bei diesem Theater nicht mehr mitmachen.«

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