Rote Fahnen

In Österreich gilt Red Bull als braver Steuerzahler. Das wollten wir genauer wissen und haben uns auf eine gar nicht so leichte Spurensuche begeben.

Text: A. Sankholkar, F. Skrabal; Mitarbeit: T. Bojankin, C. Felke

Red Bull12.2.2021 

In diesem Artikel finden Sie Links zu Original-Dokumenten aus der Recherche.

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Wenn Dietrich Mateschitz eines seiner seltenen Interviews gibt, sprechen Journalisten mit ihm gern über das Thema Steuern, die der Milliardär beziehungsweise Red Bull bezahlt. Zuletzt sagte der Konzernchef dazu 2017 gegenüber der Kleinen Zeitung:

Wir gehören auch nicht zu den Unternehmen, die ein Dutzend Konstrukte zur Steuerersparnis nutzen. Wir haben keine Einkaufsgesellschaft in  Hongkong, keine Markenregistrierung auf den Cayman Islands, nichts in Panama oder wo auch immer. Das Welteinkommen wird hier in Österreich versteuert.

Doch stimmt das? »Follow the money« heißt eine Devise im Journalismus, also »Folge der Spur des Geldes«; in diesem Fall könnte man es auch die Spur der Dose oder der Markenrechte nennen. Los geht es mit im Firmenbuch einsehbaren Unter­lagen. In den Jahresabschlüssen präsentiert sich die Red Bull GmbH tatsächlich als braver Steuerzahler: Bei rund 7,9 Milliarden Euro Profit von 2003 bis 2019 wurden 1,9 Milliarden Euro an Steuern beglichen, exakt 24,4 Prozent, so wie es sich in Österreich gehört. Wer genauer hinsieht, stößt dennoch auf Widersprüche.

So tauchen eine Reihe von Tochterfirmen und andere Firmenwerte just in jenen Steuerparadiesen auf, die Dietrich Mateschitz im Interview ausschließt: Hongkong und Panama; darüber hinaus im US-Bundesstaat Delaware, der Schweiz und in Dubai. Eine Recherche im Markenregister zeigt, dass Markenrechte der britischen Red-Bull-Tochter sehr wohl auf den Cayman Islands registriert sind. Auch auf den Britischen Jungferninseln hat sich Red Bull Markenrechte gesichert. Exporte nach Südamerika werden über zwei Tochterfirmen in Panama abgewickelt; und jene in den asiatischen Raum wiederum über die Red Bull Asia FZE mit Sitz in Dubai, wie man auf den Dosen lesen kann, die für den indischen oder thailändischen Markt bestimmt sind.

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