Gegen jede Warnung

Red Bull hat viele Interessen. Wenn die Geschäfte mal nicht mehr wie geschmiert zu laufen drohen, weiß man sich zu helfen: mit Lobbying und Vitamin B.

Text: Mona Kriesch, Florian Skrabal, Sahel Zarinfard; Infografik: Fabian Lang

Red Bull12.2.2021 

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2011 brennt in Mexiko der Hut. Der Senat soll über strengere Vorschriften für Energydrinks abstimmen. Verbindliche Warnhinweise stehen im Raum. Etwa dass hoher Konsum zu gesundheit­lichen Problemen führen könne; oder dass Energydrinks nicht mit Alkohol gemischt und nicht von Minderjährigen konsumiert werden sollten. Das lesen Hersteller ungern auf ihren Produkten. Da erhält der mexikanische Senatspräsident Post von Österreichs Botschafter.

Freundlich im Ton, bestimmt im Inhalt stellt der Gesandte Alfred Längle klar: Als »Hauptproduzent und -exporteur solcher Produkte« sei die Republik Österreich höchst unzufrieden mit den geplanten Verschärfungen. Die Substanzen in Energydrinks würden »keinen Grund zur Sorge für die menschliche Gesundheit darstellen«, schreibt Längle. Das habe die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) schon 2009 festgestellt.

Tatsächlich waren die Inhaltsstoffe Taurin und Glucuronolacton damals untersucht und für den Menschen als unbedenklich eingestuft worden. Jedoch steht in dem EFSA-Papier auch: »Das Gremium bewertet nicht die Sicherheit von Energydrinks als solche.« Das lässt der Diplomat unerwähnt. Auch darauf, dass ungefähr zur selben Zeit in Kanada und Deutschland ebenfalls öffentlich diskutiert wird, wie Energydrinks am besten zu regulieren seien, geht der Botschafter nicht ein.

Dabei sind Debatten über Inhaltsstoffe von Energydrinks und deren Wirkung nichts Ungewöhnliches. In der Konzernzentrale von Red Bull beobachtet man mit Argusaugen, ob und wo neue Warnhinweise oder gar Verkaufseinschränkungen drohen. Wie interne Unterlagen zeigen, hat Red Bull dafür eine Art Frühwarnsystem eingerichtet: In regelmäßigen »Update Reports« signalisieren Ampelfarben die Lage sowie den Fortschritt etwaiger vom Konzern eingeleiteter Gegenmaßnahmen in den verschiedenen Ländern.

Als das albanische Parlament zum Beispiel Ende 2013 eine Steuer auf importierte Energydrinks erlässt, steht die Red-Bull-Ampel auf Rot: »Es werden rechtliche Maßnahmen erwogen und diplomatische Maßnahmen zur Abschaffung der Steuer eingeleitet«, heißt es in einem Dokument, das DOSSIER vorliegt und auch zeigt, welche Ressourcen der Firma zur Verfügung stehen. Von Klagen über Lobbying bis zur Diplomatie hat man allerlei im Köcher.

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