Das Milliardenhobby

Dietrich Mateschitz steckt Unsummen in seine Medien. Warum eigentlich? DOSSIER begibt sich auf Wahrheits­suche in die verrückte Verlagswelt von Red Bull.

Text: Georg Eckelsberger; Illustration: S. R. Ayers

Red Bull12.2.2021 

Offenlegung

DOSSIER-Redakteur Georg Eckelsberger schrieb ehemals als freier Journalist für mehrere Medien aus dem Red Bull Media House, darunter »Red -Bulletin«, »2012« und »Bergwelten«.

»Es freut mich einfach nicht mehr.« Diese sechs Worte soll Dietrich Mateschitz gesprochen haben. Dann war es vorbei. Es wird viel darüber spekuliert, warum der Red-Bull-Gründer am 4. August 2020 bei der Rechercheplattform Addendum, die er keine drei Jahre zuvor aus der Taufe gehoben hatte, plötzlich den Stecker zog. In einem Punkt sind sich jedoch alle einig: Mateschitz hatte keine Lust mehr.

War dem so, weil die Aufdeckerplattform zu teuer war, wie es inoffiziell aus dem Konzern heißt? Weil Addendum inhaltlich zu wenig auf Mateschitz’ Linie war, zu links, zu wenig »Wahrheitsplattform«, wie die ehemalige Redaktion mehrheitlich glaubt? Oder ist tatsächlich etwas an der Geschichte dran, dass ein benachbarter Bauer dem Dosenmilliardär wegen eines kritischen Artikels zum Thema Milch die Freundschaft aufgekündigt hatte? Entschied Mateschitz über das berufliche Schicksal von 57 Addendum-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern beim Gespräch über den Gartenzaun?

Letztlich ist es egal. Auch darin sind sich die vielen Ex-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter einig, mit denen DOSSIER im Laufe dieser Recherche gesprochen hat: Ein Milliardär muss sich nicht erklären. »Es ist sein Geld, Mateschitz hat ein Recht dar­auf, zu bekommen, was er haben möchte. Ob das medienethisch richtig ist, steht auf einem anderen Blatt«, sagt einer. Bei seinen Medien herrsche Mateschitz wie ein »Diktator, der wie Cäsar den Daumen hebt und senkt«, ein anderer.

Im besten Cäsarenalter stieg Mateschitz auch ins Mediengeschäft ein. Mit Anfang 60, wenn andere bereits an die Pension denken, wird er Verleger. Seither hat der medienscheue Konzernchef zahlreiche Magazine, Bücher, einen Radiosender, einen TV-­Sender und zuletzt eben auch eine Rechercheplattform finanziert. Inhaltlich reicht die Bandbreite vom Pferdekalender bis zur kontroversen Talksendung Corona-Quartett. Von wirtschaftlichem Erfolg gekrönt war kaum eines seiner Medienprojekte.

Der Konzern hält sich dazu bedeckt, vermutlich pumpt Mateschitz aber jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag in sein Medienhaus. Warum macht der knallharte Geschäftsmann all das? Hat er politische oder ideologische Ziele? Will er seine Version der Wahrheit unter das Volk bringen? Ist es ein Hobby? Geht es – wie so oft in der Welt von Red Bull – letztlich nur um die perfekte Vermarktung der Dose?

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