Graphic Novel

Sonderbare Jahre

Bis heute ist nicht geklärt, wie die Gründung der „Neuen Kronen Zeitung“ und ihr Betrieb in den verlustreichen Anfangsjahren finanziert wurden. Die Spuren führen in höchste politische Kreise, zur Gewerkschaft und zu ausländischen Geheimdiensten.

Text: Florian Skrabal, Recherche: Tano Bojankin, Illustration: S. R. Ayers

Kronen Zeitung11.4.2019 

In diesem Artikel finden Sie Links zu Original-Dokumenten aus der Recherche.

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Es ist ein unfreundlicher, regnerischer Novembertag im Jahr 1958, als Hans Dichand in Wien ins Auto steigt. Sein Ziel: das Gut Hohenlehen bei Amstetten in Niederösterreich. Noch darf Dichand seinen Dienst­wagen, einen Opel Kapitän, benützen. Wenige besitzen damals ein Auto. „Auf der von Schlaglöchern übersäten Straße wurde der schon recht betagte Wagen so in Mitleidenschaft gezogen, dass er später nur noch als Wrack zurückgegeben werden konnte“, erinnert sich Dichand in seinen 1977 erschienenen Erinnerungen Kronen Zeitung – Die Geschichte eines Erfolges. Gutsherr Franz Geyer – „er war es von Scheitel bis Sohle“ – empfing ihn reserviert. Die Erben, so der Gutsbesitzer, hätten „nicht das geringste Interesse“ an der Reaktivierung der Zeitung. Dichand konnte es recht sein, wie er später schreibt, er sei ohnehin nur gekommen, um die Titelrechte an der Zeitung zu kaufen. Es wurde gefeilscht, bis Dichand in seine Rocktasche griff und 90.000 Schilling auf den Tisch legte, seine Abfertigung. Wenige Wochen zuvor hatte er beim Kurier gekündigt, dem damals noch meistgelesenen Blatt im Land. Nun wollte er selbst Zeitung machen, und zwar nicht irgendeine: Es musste die Kronen Zeitung sein, Dichand hatte sie in seiner Jugend selbst gelesen.

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