Virus in der Beilage

Anfang Dezember erschien erneut eine Stadt-Wien-Beilage, von der ein parteinaher Verlag profitiert. Die Ausgaben werden abermals nicht in den Medientransparenzdaten auftauchen.

Text: Florian Skrabal

Inserate3.12.2021 

Und täglich grüßt das Murmeltier. Jüngst berichtete DOSSIER über nicht meldepflichtige Inseratengeschäfte und Medienkooperationen zwischen der Stadt Wien und einem Verlagshaus mit Parteinähe – keine Woche verging, schon tauchte das nächste Geschäft auf.

Erneut eine Beilage, derselbe Preis und dasselbe Konstrukt, das letztlich dazu dient, dass der Geldfluss nicht in den Medientransparenzdaten aufscheinen muss.  

Corona Spezial 2021 heißt diesmal das Heftchen, das am 1. Dezember 2021 erschien und von der Stadt bezahlt wurde. Diversen Printmedien, etwa dem Standard, lag an dem Tag eine neue Ausgabe des Schau-Magazins bei, und darin klebte wiederum Corona Spezial.

Beilagen von Beilagen: „Schau-Magazin“ und „Preview” (2017), „Schau-Magazin“ und „Corona Spezial“ (2021)

Auf 32 Seiten im A5-Format kommuniziert die Stadt Wien, wie man „gemeinsam sicher durch die Pandemie“ kommt: Infos zur Covid-Impfung, zur „Impfstraße der Superlative“ oder den Testangeboten der Stadt. Kostenpunkt: 170.720 Euro.

Übrigens exakt dieselbe Summe, die 2017 für eine Ausgabe von Preview – Magazin für Freizeitgestaltung bezahlt und erst Jahre später und nur aufgrund eines Gerichtsbeschlusses von der Stadt offengelegt wurde.

DOSSIER wartet derzeit auf Antworten zu den Kosten weiterer nicht gemeldeter Beilagen der Stadt im Zeitraum 2013 bis 2017.

Der grüne Wiener Klubobmann David Ellensohn kündigte indes ein Prüfansuchen an den Wiener Stadtrechnungshof an, wie der Kurier berichtete. Dieser soll untersuchen, wie hoch die nicht gemeldeten Inseratenausgaben der Stadt insgesamt sind.

„Einmalige Erscheinung“

„Wir werden Ihre Anfrage ehestmöglich beantworten“, schreibt Ingrid Kunz-Heinrich, Mitarbeiterin im Presse- und Informationsdienst (PID), per Mail. Doch das kann dauern.

„Aufgrund unserer aktuellen Rolle im Bereich der Corona-Krisenkommunikation“ sei eine Beantwortung zu älteren Beilagen erst bis 20. Dezember möglich, so Kunz-Heinrich weiter.

Da es sich bei Corona Spezial jedoch um „eine aktuelle Kampagne“ handle, könne man hier mit Antworten, wie zu den Kosten, schon früher dienen: eben 170.720 Euro für „Redaktion, Gestaltung, Produktion und Vertrieb“.

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„Als Zielgruppen für den gesamten Schwerpunkt wurde die gesamte impfbare Bevölkerung in Wien und im Wiener Umland ab 16 Jahren definiert“, schreibt Kunz-Heinrich.

Der Auftrag sei Teil eines Kommunikationsschwerpunkts, der Mitte November aus dem Medizinischen Krisenstab an den PID erteilt worden sei. Die angefragte Beilage befasse sich mit dem „Thema Drittimpfung und erscheint einmalig“. Das Stichwort: „einmalig“.

Weil es Corona Spezial nur einmal gibt, entfällt nicht nur die für periodische Medien geltende gesetzliche Kennzeichnungspflicht von entgeltlichen Einschaltungen. Auch das Medientransparenzgesetz greift nicht: Der Geldfluss wird in den Medientransparenzdaten nicht aufscheinen – dort sind Zahlungen an periodische Medien gelistet.

Erneut gehen so fast 171.000 Euro mit einem Geschäft an einen parteinahen Verlag. In diesem Fall konkret an die Norbert Jakob Schmid Verlags GmbH, laut Corona Spezial-Impressum die Medieninhaberin, Herausgeberin und Verlegerin der Beilage.

Die Firma gehört der Dietrich Medien Holding GmbH, an der zu je 50 Prozent Gabriele Ambros und Gerhard Milletich Anteile wie Geschäftsführung innehaben. ÖFB-Präsident Milletich ist letztlich wiederum alleiniger Eigentümer der CRM Medientrend GmbH, dem Unternehmen hinter dem Schau-Magazin. Das Murmeltier lässt grüßen.