Land der Regierungsinserate

Fast zehn Mal mehr pro Kopf – Österreichs Regierung überholt die deutsche bei den Ausgaben für Inserate im Jahr 2016 auch in absoluten Zahlen.

Österreich ist besser als Deutschland. Zumindest, wenn es um Eigenwerbung geht. Wie die Medientransparenzdaten zeigen, gab Österreichs Bundesregierung im Jahr 2016 rund 16,2 Millionen Euro für Inserate aus. Die deutsche Bundesregierung hingegen schaltete im gleichen Zeitraum nur 15,6 Millionen Euro. Pro Kopf heißt das, dass hierzulande 9,8 Mal mehr für Inserate ausgegeben wurde  und das Ungleichgewicht nimmt zu.

Ausgaben für Inserate pro Kopf

Quelle: Medientransparenzdaten, Auskünfte der Ministerien

Seit Mitte 2012 müssen öffentliche Stellen und Unternehmen in Österreich melden, wie viel sie für Eigenwerbung ausgeben. Demnach sanken die Werbeausgaben der österreichischen Bundesregierung für Print, Fernsehen, Radio und Online in den Jahren 2013 bis 2015 von 22,2 auf 14,8 Millionen Euro.

Dann kam die Trendwende. Vergangenes Jahr stiegen die Ausgaben um 28,7 Prozent auf fast 19 Millionen Euro, die Ausgaben für Inserate stiegen auf 16,2 Millionen Euro. Und auch in den ersten beiden Quartalen 2017 gab die Bundesregierung für Eigenwerbung bereits um 1,3 Millionen Euro mehr aus als im selben Zeitraum des vergangenen Jahres: fast zehn Millionen Euro. 

Werbeausgaben der Bundesregierung nach Jahren

Quelle: Medientransparenzdaten

In Deutschland müssen Ministerien nicht automatisch melden, wie viel sie für Inserate ausgeben. Anfragen von DOSSIER an alle deutschen Ministerien zeigen, dass das Bedürfnis mit Inseraten zu werben jedenfalls geringer ist: 2015 lagen die Deutschen mit 13,7 Millionen Euro noch knapp vor den Österreichern mit 13,6 Millionen Euro, alleine für Anzeigen in Printmedien.

Die Ausgaben pro Kopf lagen im selben Zeitraum bei 1,56 Euro in Österreich und 0,17 Euro in Deutschland. Österreichs Regierung warb pro Kopf mehr als neunmal so intensiv.

Regierungswerbung im Wahlkampf

DOSSIER-Recherchen zeigen, dass Ministerien vor allem in Wahlkampfzeiten vermehrt werben. Um auf die hohen Staatsausgaben für Eigenwerbung hinzuweisen, hat DOSSIER das Inseraterennen zur Nationalratswahl 2017 ins Leben gerufen. Seit 1. September zählen wir Inserate von Parteien, Ministerien und anderen öffentlichen Stellen und lassen sie auf vier Rennbahnen gegeneinander antreten. In den ersten zwei Wochen schalteten die Ministerien Anzeigen im Wert von fast einer Million Euro und gaben damit mehr aus als alle politischen Parteien zusammen.

Das Bundeskanzleramt war bis Redaktionsschluss zu keiner Stellungnahme bereit.

Teaserbild: Fotos: SPÖ Presse und Kommunikation (CC BY-SA 2.0), European People's Party (CC BY 2.0); Montage: DOSSIER