Der Wahlkampf der Ministerien

Schwarz-Blau tat es 2006. Rot-Schwarz 2008 und 2013: Immer vor Nationalratswahlen griffen Ministerinnen und Minister in öffentliche Budgettöpfe und schalteten vermehrt Inserate, um sich selbst oder ihre Leistungen zu bewerben.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich vor dieser Wahl ab. Seit 1. September 2017 erhebt DOSSIER sämtliche öffentlichen Inserate in sechs überregionalen Tageszeitungen (Standard, Presse, Kurier, Krone, Heute und Österreich). Nun ist Halbzeit im Inseraterennen, und die Bundesregierung führt.

Bisher schalteten Österreichs Ministerien in den von DOSSIER erhobenen Zeitungen Inserate mit einem Bruttowerbewert von rund 1,64 Millionen Euro – mehr als dreimal so viel wie die wahlwerbenden Parteien.

Das Rennen der Ministerien

Quelle: DOSSIER-Erhebung, 1.9.-22.9.2017

Spitzenreiter ist das von Hans Peter Doskozil (SPÖ) geführte Verteidigungsministerium (308.054 Euro), gefolgt vom Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (220.682 Euro) und dem Bundeskanzleramt (218.480 Euro).

Auffällig ist, dass SPÖ-geführte Ministerien offenbar ein wesentlich größeres Werbebedürfnis haben dürften als die Ressorts des Regierungspartners ÖVP. Fast 80 Prozent des bisherigen Volumens oder ein Bruttowerbewert von 1,32 Millionen Euro kamen von Ministerien, für die die SPÖ verantwortlich zeichnet.

DOSSIER hat bei den führenden Ministerien der vergangenen Woche nachgefragt. Das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie lag noch an dritter Stelle und liegt mit 201.184 Euro aktuell auf Platz fünf des Inseraterennens.

„Das Verkehrsministerium verfolgt seinen Schaltplan unabhängig von der Nationalratswahl“, schreibt eine Sprecherin von Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ). „Die aktuellen Schaltungen finden sich um die Jahreszeit auch im Vorjahr.“ Das klingt plausibel, ein Großteil der geschalteten Inserate wirbt zu Anfang der Schulzeit mit „Achtung am Schulweg!“.

Aktuelle Inserate von BMVIT (links), BMGF (oben rechts) und BMLVS (unten rechts)

„Unsere Schaltpläne werden prinzipiell unabhängig von einer Nationalratswahl erstellt“, versichert auch eine Sprecherin der Gesundheits- und Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ), die thematische Wichtigkeit stehe im Vordergrund. Das Ministerium warb zuletzt gegen Gewalt gegen Frauen („Der Gewalt keine Chance!“).

Im Verteidigungsministerium war man bis Redaktionsschluss zu keiner Stellungnahme bereit. Es warb vor allem mit den Leistungen des Bundesheeres („Weil man nie weiß, was morgen kommt.“).

Ob tatsächlich unabhängig von der Nationalratswahl geworben wird, lässt sich erst im Dezember 2017 überprüfen, dann erscheinen die Medientransparenzdaten für das 3. Quartal 2017.

Das Rennen der Parteien

Nur drei der derzeit im Nationalrat vertretenen Parteien warben bisher in den beobachteten sechs Tageszeitungen um Wählerstimmen. Die FPÖ führt das Feld an, schaltete in den vergangenen drei Wochen 32 Inserate im Wert von mehr als 328.541 Euro.

Die ÖVP inserierte im DOSSIER-Rennen bisher 125.622 Euro und zog damit an der SPÖ vorbei, die zur Halbzeit des Rennens mit 90.065 Euro auf Platz drei liegt. Die Grünen und die Neos schalteten bisher keine Inserate in den sechs beobachteten Tageszeitungen.

Es bleibt spannend: In den bisherigen DOSSIER-Erhebungen lagen am Ende jedes Rennens die Parteien in Front. Bis zum Wahltermin am 15. Oktober werden sie wohl auch dieses Jahr noch gehörig in die Sporen treten.

Das Rennen der Zeitungen

Bei den Tageszeitungen zeichnet sich das erwartete Duell an der Spitze ab. In der Kronen Zeitung schalteten Parteien und öffentliche Stellen Inserate im Wert von 1,75 Millionen Euro, nur knapp 200.000 Euro mehr als in der Gratistageszeitung Heute. Österreich hat bisher mit Anzeigen im Wert von 1,14 Millionen Euro nur Außenseiterchancen auf den Gesamtsieg.

Bruttowerbewert der Anzeigen nach Tageszeitungen

Quelle: DOSSIER-Erhebung, 1.9.-22.9.2017

Um Platz vier kämpfen der Kurier und Die PresseDer Standard liegt abgeschlagen auf dem letzten Platz. Insgesamt schalteten Parteien und öffentliche Stellen in den sechs beobachteten Tageszeitungen 6,13 Millionen Euro.

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*Entscheidend für die DOSSIER-Wertung ist der Bruttowerbewert; also jener Betrag, den die jeweiligen Medien laut ihrer Tarifliste als Preis einer Anzeigenfläche ausweisen. Mögliche Rabatte sind darin nicht enthalten. Weitere Informationen zur Auswertung finden Sie hier.  

Teaserbild: Foto: Julian Burgess (CC BY 2.0), Montage: DOSSIER