
»Ich kann da durchaus argumentative Unterstützung gebrauchen«, tippte der damalige deutsche Finanzminister Christian Lindner (FDP) im Sommer 2022 in sein Handy. Der Empfänger der SMS: Oliver Blume, der Vorstandsvorsitzende des Automobilherstellers Porsche. Blume antwortete: »Wir legen nochmal nach. Danke für Ihren Einsatz.« Diese Kurznachrichten hätten nie öffentlich werden sollen, wäre es nach dem Bundesfinanzministerium gegangen.
Doch die Transparenzplattform Abgeordnetenwatch erstritt in einem Zeitraum von fast drei Jahren die Herausgabe der SMS, die zeigen, wie sich Lindner als Finanzminister mit einem der mächtigsten Firmenchefs Deutschlands zu einem kontroversen Thema abstimmte. Für Porsche stand eine millionenschwere Investition auf dem Spiel.
Lindner hatte sich an Porsche-Chef Blume gewandt, nachdem er eine Meldung der Deutschen Presseagentur zum Verbrenneraus gelesen hatte. Die geplante EU-Verordnung sah vor, ab 2035 keine neuen Fahrzeuge mit Verbrennermotoren mehr zuzulassen. Für den Porsche-Manager eine heikle Angelegenheit.
Der Autobauer hatte erst wenige Monate vor dem Chat rund 75 Millionen US-Dollar in ein Unternehmen investiert, das E-Fuels herstellt – also synthetischen Sprit aus Wasserstoff, dessen Herstellung klimaneutral möglich sein soll. Eine Ausnahme vom Verbrennerverbot für Fahrzeuge, die mit E-Fuels betrieben werden, war für Porsche daher von hoher Priorität. Auch Lindner wollte die EU-Pläne zum Verbrenneraus aufweichen.
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