Der Faymann-Effekt

Seit ihrer Gründung ist Werner Faymann ein Garant für Inserate in der Gratiszeitung Heute. Egal, welche Funktion Faymann innehatte – Ressorts, Firmen oder Organisationen, die ihm unterstehen, erhöhen ihre jeweiligen Anzeigenvolumina in Heute. In den vier Monaten nach dem Erscheinen der ersten Ausgabe am 6. September 2004 schalten stadteigene Unternehmen wie Wiener Wohnen, Wohnservice Wien oder der Wohnfonds Wien insgesamt 11,25 Seiten in Heute. In den beiden Folgejahren sind es 92,5 (2005) bzw. 87 Seiten (2006). 2007 und 2008 ist Faymann Verkehrsminister der Republik: Die Anzahl der Inserate des Bundesministeriums für Verkehr, Infrastruktur und Technologie (BMVIT) steigen auf knapp 65 Seiten. Als Faymann Ende 2008 Bundeskanzler wird, steigen die Werbeschaltungen des BKA um den Faktor 4,25 – von 6,5 auf 27,6 Seiten.

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In der Grafik zeigt sich ein weiteres Phänomen, auf das DOSSIER in seinen Erhebungen öfters gestoßen ist: Wurden die Werbebudgets von öffentlichen Stellen einmal erhöht, bleiben diese auf hohem Niveau oder steigen weiter an. Auch Faymanns Nachfolgerinnen und Nachfolger, Michael Ludwig als Wohnbaustadtrat (2007 bis heute, SPÖ) und Doris Bures als Verkehrsministerin (2008 bis 2014, SPÖ) erhöhen die Anzahl der geschalteten Inserate in Heute.

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Politisch Verantwortliche rechtfertigen die Erhöhung der Anzeigenvolumina häufig mit der steigenden Reichweite von Medien: Je mehr Menschen eine Zeitung lesen, desto mehr müsse in dieser inseriert werden, um eine maximale Zahl an Werbekontakten zu erreichen.  Das wirft eine Frage auf: Warum inserieren jene stadteigene Wohnfirmen, die dem Ressort von Wohnbaustadtrat Werner Faymann (SPÖ) zuzuordnen sind, in den Jahren 2004 und 2005 so stark? Zum Vergleich: Private Unternehmen, wie etwa die Handelskette Hofer, sind bei der Gründung der Gratiszeitung zunächst zurückhaltend. Sie beginnen erst später verstärkt Anzeigen in Heute zu schalten.