Treffsichere Spenden

Im Wiener Schloss Belvedere ist der rote Teppich ausgerollt. Die „wichtigsten Frauen des Landes“ folgen Anfang September der Einladung des Lifestylemagazins Madonna. Der diesjährige „Leading Ladies Award“ steht an, eine Ehrung für „Frauen, die durch ihre besonderen Geschichten glänzen und bewegen“.

Nach und nach treffen sie ein, auch das Fernsehen ist da. Dann der Auftritt einer der Siegerinnen des Abends: Kathrin Glock. Kurz posiert sie für Fotos, bis sich einer ihrer Security-Mitarbeiter vor das Mikrofon einer Journalistin stellt. „Keine Interviews“, sagt er. Wortlos geht Kathrin Glock weg.

Wenig später nimmt die 37-jährige Ehefrau von Waffenproduzent und Milliardär Gaston Glock den Hauptpreis in der Kategorie „Soziales Engagement“ entgegen. Sie setzte sich gegen starke Konkurrenz durch: die Obfrauen des Vereins Ute Bock etwa, der geflüchteten Menschen Wohnungen zur Verfügung stellt. Oder die Geschäftsführerin der Wiener Tafel, die von Armut Betroffene mit Lebensmitteln versorgt.

Auf Kathrin Glocks persönlichen Wunsch hält FPÖ-Sozialministerin Beate Hartinger-Klein die Laudatio. 

Screenshot Madonna Website, 4.9.2018

Die Frauen kennen sich: Knapp drei Monate zuvor, im Juni 2018, war die Ministerin bei Kathrin Glock zu Gast. Beim exklusiven Springreitturnier „Horses & Stars“ in Treffen am Ossiacher See saß Hartinger-Klein am Tisch der Gastgeber, dem Ehepaar Glock, daneben die britische Schauspielerin Joan Collins.

Die Österreichischen Kinderdörfer* erhielten damals einen Scheck über 100.000 Euro. Zum Vergleich: Das Reitturnier ist mit rund 600.000 Euro Preisgeld dotiert. Zu den Gesamtkosten der dreitägigen Chose samt Gagen für die Stars schweigt man bei Glock – sie gehen jedenfalls in die Millionen.

*Erratum: Ursprünglich stand hier „SOS-Kinderdorf“. Das stimmt nicht: Die Spende über 100.000 Euro ging an die Österreichischen Kinderdörfer. Wir entschuldigen uns für den Fehler.

Image als Wohltäterin

„An der Zahl merkt man, wie Öffentlichkeitsarbeit funktioniert“, sagt Dietmar Ecker, Strategieexperte und Gründer der Agentur Ecker & Partner, die zu einem der größten PR-Unternehmen in Österreich zählt. „Auch wenn die Veranstaltung ein Vielfaches kostet, bleibt die Wohltätigkeit im Gedächtnis.“

Erst seit wenigen Jahren setzt das Ehepaar Glock Wohltätigkeit medienwirksam ein. Ende 2011 vermelden Zeitungen, dass sie mehr als eine halbe Million Euro an karitative Einrichtungen gespendet haben: 250.000 Euro an den Verein Rettet das AKH, je 100.000 Euro an den Verein Vier Pfoten, die Kinderkrebshilfe und die Kinderschutzorganisation Möwe.

2011 brodelt es in Glocks Familienleben. Nach 49 Ehejahren lässt sich der Waffenproduzent von seiner Frau Helga scheiden. Die Trennung führt zu einem Bruch in der Familie und zieht etliche Prozesse in Österreich und den USA nach sich. Noch im selben Jahr heiratet Gaston Glock die um 52 Jahre jüngere Kathrin Tschikof.

Der sonst als medienscheu geltende Waffenproduzent steht plötzlich im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Boulevardmedien schreiben von einem „Ehe-Krieg“ und dem „teuersten Aufteilungsverfahren in der Geschichte Österreichs“. 

Durch seine Scheidung sei Glock in den Boulevard getrieben worden, „da hat es eine kalkulierte Öffentlichkeitsarbeit gebraucht“, sagt Ecker. „Glock hat seine Ex-Frau verlassen, um eine deutlich jüngere Frau zu heiraten. Bei einem derlei negativen Image muss man gegensteuern, und das geht mit Spenden ganz gut.“

Der blonde Engel

Tiere und Kinder haben es Kathrin Glock angetan. Sie lässt sich wechselweise mit Hundewelpen oder Katzen im Arm ablichten, besucht Kinder im Krankenhaus und überreicht bei diesen Medienterminen Spendenschecks. „Ein simples Rezept für eine simple Situation“, nennt es Dietmar Ecker. Die Meldungen schreiben sich von selbst.

Faksimile Zeitungsberichte, Collage: Fabian Lang

„Eigentlich bin ich nicht nah am Wasser gebaut, doch vor wenigen Tagen konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten“, schreibt etwa Maggie Entenfellner, Kolumnistin der Krone-Tierecke im Juni 2015. Die „sympathische und warmherzige“ Kathrin Glock hatte eine Spende über 50.000 Euro an einen Kinderschutzverein überreicht, eines der Kinder habe Kathrin Glock als blonden Engel bezeichnet.

Auch das Lifestyle-Magazin Madonna, das Anfang September den Leading Ladies Award im Belvedere veranstaltete, findet häufig lobende Worte: „Der Name Gaston Glock steht für den international erfolgreichen Großindustriellen, Erfinder und Produzenten der einzigartigen Glock-Pistole. Der Name Glock steht aber auch für ein Ehepaar mit großem Herz. Glocks Spenden helfen, die Welt ein wenig besser zu machen“, schreibt Jenny Magin, Tochter von Österreich-Herausgeber Wolfgang Fellner, im Dezember 2017.

Spenden für den Boulevard

Um wie viel Kathrin und ihr Mann Gaston Glock die Welt besser gemacht haben, lässt sich nicht in Zahlen gießen – dazu gibt das Ehepaar keine Auskunft.

Nach DOSSIER-Recherchen waren es in den vergangenen sieben Jahren rund sechs Millionen Euro, die von Glock in Österreich gespendet wurden. Viel Geld, für den Waffenproduzenten allerdings verkraftbar: Das Vermögen von Gaston Glock wird auf 1,75 Milliarden Euro geschätzt.

Ein wesentlicher Teil der bekannten Spendenausgaben floss in Spendenaktionen von Zeitungen. Rund 640.000 Euro gingen von 2011 bis 2014 an „Kärntner in Not“, eine Spendenaktion der Kleinen Zeitung. Der Verein Freunde der Tier-Ecke, der von Krone-Chefredakteur Christoph Dichand und Krone-Kolumnistin Maggie Entenfellner geführt wird, hat seit 2011 laut eigener Berichterstattung 600.000 Euro bekommen.

Faksimile Zeitungsberichte, Kathrin Glock mit Krone-Kolumnistin Maggie Entenfellner

Die Mediengruppe Österreich, zu dem das Lifestylemagazin Madonna gehört, darf da nicht fehlen. Herausgeberin Jenny Magin organisiert nicht nur den „Leading Ladies Award“, sondern auch die Spendenaktion „Weihnachtsherz“ – dafür spendete Kathrin Glock in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 500.000 Euro.

„Die Auswahl der Spendenempfänger ist sicherlich nicht zufällig”, sagt PR-Berater Dietmar Ecker. Wenn gleichzeitig große Boulevardmedien miteinbezogen werden, sei das „die richtige Antwort auf eine kritische Situation. Ich muss in diese Medien gehen, weil das Thema Rosenkrieg vorrangig in diesen Medien abgehandelt wird.”