Keine Hinweise auf Qualifikation

Infrastrukturministerin Leonore Gewessler lässt umstrittene Aufsichtsratsbestellung der Waffenproduzentin Kathrin Glock unter Ex-Minister Norbert Hofer evaluieren.

Text: Sahel Zarinfard, Illustration: S. R. Ayers

Glock14.2.2020 

„Da ist nichts da, gar nichts. Nicht einmal ein Lebenslauf“, sagt David Stögmüller, grüner Abgeordneter zum Nationalrat. Es geht um Kathrin Glock, Waffenproduzentin und seit 2018 Aufsichtsrätin der staatlichen Flugbehörde Austro Control. Dieser Posten wackelt nun. Glocks Qualifikation ist für die neue Infrastrukturministerin Leonore Gewessler (Grüne) nicht nachvollziehbar. „Mir ist nicht bekannt, aufgrund welcher Kriterien meine Amtsvorgänger die Qualifikation von Frau Kathrin Glock bewertet haben“, so Gewessler in einer jüngst veröffentlichten parlamentarischen Anfragebeantwortung.

„Es gibt keine nachvollziehbaren Akten. Wir haben keine Dokumente zu diesem Thema gefunden“, heißt es dazu im Infrastrukturministerium. Der Pressesprecher von Ex-Verkehrsminister und FPÖ-Obmann Norbert Hofer bestreitet das auf DOSSIER-Anfrage. Hofer steht nun ebenfalls in der Kritik: „Es ist unklar, wie Hofer die Qualifikation von Kathrin Glock nachvollziehen konnte“, sagt Stögmüller. Im Infrastrukturministerium wird die Eignung von Kathrin Glock und anderen Aufsichtsräten nun evaluiert.

Wie DOSSIER berichtete, wurde Kathrin Glock im April 2018 vom damaligen Verkehrsminister Hofer in den Aufsichtsrat der Flugbehörde entsandt. Die Postenbesetzung sorgte für Überraschung, weil Glocks Erfahrung in der Flugbranche überschaubar war. Zum damaligen Zeitpunkt war sie lediglich sieben Monate Ko-Geschäftsführerin der Glock Aviation GmbH, die von Klagenfurt aus drei Bombardier-Privatjets und einen Helikopter betreibt. Die Stelle in der firmeneigenen Charterfirma war Kathrin Glocks einzig bekannter Berührungspunkt mit der Luftfahrtbranche.

„Die Wahl fiel auf Kathrin Glock, weil sie als Geschäftsführerin der Glock Aviation GmbH Einblick in die Materie hat“, sagt Hofers Pressesprecher. „An der fachlichen Qualifikation von Frau Kathrin Glock für deren Aufsichtsratsmandat besteht kein Zweifel“, so Glocks Rechtsanwalt Peter Zöchbauer.

Handelte es sich bei der Bestellung um politischen Postenschacher? Die FPÖ hat traditionell gute Beziehungen zur Waffenfirma Glock, Norbert Hofer und Kathrin Glock kennen sich auch privat. Nur zwei Monate vor ihrer Bestellung, im Februar 2018, war Hofer bei Glocks exklusivem Springreitturnier in Treffen am Ossiacher See zu Gast gewesen. Der Minister habe alles privat bezahlt, sagte Hofers Pressesprecher gegenüber DOSSIER. Die Vorlage von Abrechnungsbelegen lehnte er ab. Die Frage, ob Hofer bei der privaten Pferdesause mit Kathrin Glock über ihre spätere Rolle im Aufsichtsrat der Austro Control gesprochen habe, ließ er unbeantwortet.

Bei der Staatsanwaltschaft ging in Folge der DOSSIER-Recherchen eine anonyme Anzeige zu der Bestellung der Waffenindustriellen ein. Die Staatsanwaltschaft setzte aber keine Ermittlungsschritte, weder Norbert Hofer noch Kathrin Glock wurden zu den Vorwürfen in der Anzeige befragt. „Mangels hinreichender Anhaltspunkte für eine mangelnde fachliche Qualifikation der bestellten Personen“ wurde von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens abgesehen. Nun scheint sich die Sachlage gedreht zu haben. „Bei Vorliegen neuer Sachverhalte werden wir uns den Fall nochmals anschauen. Dazu sind wir verpflichtet“, sagt ein Sprecher der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft gegenüber DOSSIER.

Glock wäre nicht das erste Aufsichtsratsmitglied auf einem FPÖ-Ticket, das die Austro Control im Zuge des Regierungswechsels wieder verlassen würde. Zeitgleich mit Glock bestellte Hofer 2018 den FPÖ-nahen Anwalt Werner Walch zum Aufsichtsratsvorsitzenden. Dieser gab seinen Rückzug „aus persönlichen Gründen“ kurz vor der Übernahme des Infrastrukturministeriums durch Gewessler bekannt.