Die Welt im Hochformat

Die gute Nachricht: Journalistische Inhalte sind auch für junge Menschen relevant. Wie und wo Nachrichten ihr ­Publikum finden, hat sich aber grundlegend verändert.

Text: Julia Herrnböck

Generation Europa20.3.2026 

Wenn nachts im Gazastreifen Bomben fallen oder sich an der Front in der Ukraine die Lage verändert, dauert es oft nur wenige Minuten, bis ein erster Beitrag dazu auf Instagram erscheint. Immer häufiger sind diese Posts schneller da als die Pushmeldungen großer Medienhäuser, die lange als erste Quellen galten. Doch Traditionshäuser haben Konkurrenz bekommen, etwa durch Instagram-Accounts wie @worldpolitics_daily. Betrieben wird dieser vom Österreicher Andreas Grassl. Seit 2022 erklärt der 30-Jährige dort internationale Konflikte, geopolitische Entwicklungen und diplomatische Verschiebungen.

Die Reichweite ist bemerkenswert: Mehr als 131.000 Follower·innen zählt sein Account zu Redaktionsschluss. Lange hielt sich im Journalismus die Annahme, besonders Außenpolitik sei für ein jüngeres Publikum schwer vermittelbar – doch der Großteil von Grassls Follower·innen ist jünger als 34, viele sind zwischen 18 und 25 Jahren alt. Das wirkt wie die Antithese zum weitverbreiteten Vorurteil, junge Menschen würden sich nicht für Politik interessieren. 

Was sich an diesem Beispiel beobachten lässt, ist Teil eines größeren Strukturwandels: Junge Menschen konsumieren weiterhin Nachrichten, sie tun dies jedoch anders als ältere Generationen. Nachrichten werden oft eher nebenbei wahrgenommen, eingebettet zwischen unterhaltsamen Postings auf Social Media. Orientierung bieten dabei eher bestimmte ­Personen und Formate als klassische Medien. 

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