In der DOSSIER-Redaktion weht seit Jahresbeginn ein frischer Wind – und dieser ist mal sanft, mal sausend. Letzteres vor allem dann, wenn schallendes Gelächter in unserem ehemaligen Besprechungszimmer ausbricht, das nun zum Multimediastudio umfunktioniert wurde. Die gute Stimmung – gepaart mit viel Tatendrang und Energie – bringen fünf Journalist·innen mit, die unsere Redaktion seit Jänner verstärken.
Ihre Aufgabe ist keine einfache: junge Menschen für Journalismus zu gewinnen und sie ausgewogen zu informieren, über Themen, die ihre Zukunft maßgeblich bestimmen. Und zwar in einer Sprache und Aufmachung, die für junge Erwachsene zugänglich und anschaulich ist – produziert für Plattformen wie Instagram, Tiktok und Youtube, die einer jungen Zielgruppe als wichtige Nachrichtenquelle dienen. Wenn das jemand schafft, dann diese fünf talentierten Kolleg·innen, die wir schon wenige Wochen nach Beginn der Zusammenarbeit nicht mehr in der DOSSIER-Redaktion missen möchten. Auf den folgenden Seiten lernen Sie sie in ihren eigenen Worten kennen.
Muskaan Bajwa
Videojournalistin (22)

»Während der Schulzeit habe ich mal einen Berufseignungstest gemacht. Heraus kam etwas mit Eventmanagement, Social Media und Journalismus. Dann, während Corona, habe ich immer öfter Fernsehmoderator·innen gesehen, die nicht österreichischer Herkunft waren. Das war das erste Mal, dass ich gemerkt habe, dass auch PoC in dieser Branche arbeiten. PoC steht für People of Color, das ist eine Bezeichnung für alle, die nicht weiß sind. Dieser Moment war wichtig für meine Berufswahl. Denn wenn man sich in einer Branche visuell nicht repräsentiert sieht, kommt man vielleicht gar nicht erst auf die Idee, dass dieser Weg auch einem selbst offenstehen könnte.
Ich habe Journalismus studiert und während eines Praktikums beim ORF bemerkt, wie sehr ich den tagesaktuellen Rush mag. Da habe ich auch gemerkt, dass ich unbedingt mit Bewegtbild arbeiten möchte. Journalismus für junge Menschen bedeutet vorrangig, dass sie sich mit dem Thema und mit den Journalist·innen identifizieren können sollen. Das ist auch der Grund, warum sie eher Newsfluencer·innen als etablierten Medienhäusern folgen. Die Inhalte müssen leicht zugänglich und in einer Sprache sein, die man auch als junger Mensch versteht. Was für mich besonders wichtig ist, ist der Community-Aspekt: raus auf die Straße und mit der Zielgruppe ins Gespräch kommen. Viele Journalist·innen wären baff, wenn sie wüssten, welche Themen die Gen Z wirklich beschäftigen und worüber sie informiert werden will. Ich möchte mit diesem Projekt erreichen, dass junge Menschen bei der nächsten Diskussion mit ihren Eltern gut informiert sind und sagen können: ›Das habe ich bei DOSSIER gesehen.‹ Das fände ich sehr, sehr cool.«
Nora Grbić
Außenreporterin (23)

»In der Schule wäre ich eigentlich in den Medienzweig gekommen, habe mich dann aber für den Schwerpunkt Leistungssport entschieden. Der Wunsch, medial zu arbeiten, hat mich dennoch nicht losgelassen, weil ich immer schon gerne Texte geschrieben, Videos gedreht und vor der Kamera gestanden habe. An Journalismus interessiert mich das Erzählen von Geschichten und das kritische Hinterfragen. Aktuell studiere ich Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Uni Wien und habe daneben auch schon journalistische Praxis gesammelt: Vorwiegend drehe und produziere ich Videos; ich habe mir das Handwerk teils selbst beigebracht und teils in einem Praktikum beim Social-Media-Medium Die Chefredaktion angeeignet. Dort habe ich auch gelernt, was gute Onlinevideos ausmacht, und wie man es schafft, gleichzeitig informativ und unterhaltsam zu sein.
Guter Journalismus für junge Menschen muss uns zuallererst ansprechen und unsere Ängste und Probleme ernst nehmen, weil wir uns in einer Lebensphase befinden, in der sich unsere Identitäten und auch unsere Weltbilder festigen. Was mir besonders am Herzen liegt, ist, so wenige wie möglich auszuschließen. Das Ziel von Journalismus ist, Demokratie zu fördern – das gelingt aber nicht, wenn man nicht alle zu Wort kommen lässt und miteinbezieht. Bei Gen.EU möchte ich Themen aufgreifen, die für meine Zielgruppe relevant und lebensnah sind. Ich hoffe, dass ich dadurch mehr Menschen für Journalismus begeistern kann und dass sie sich besser repräsentiert fühlen. Für mich persönlich wünsche ich mir, dass ich journalistisch viel dazulernen kann.«
Lilli Gruber
Multimediajournalistin (26)

»Geschichten haben mich schon immer begeistert. Als Kind wollte ich deshalb lange Zeit Kinderbuchautorin werden. Schon damals waren es die Erzählungen über ›reale‹ Kinder und nicht die über Feen oder Elfen, die mich in ihren Bann zogen. Die Idee, Autorin zu werden, habe ich aber irgendwann verworfen. Als ich nach der Matura von Graz nach Wien abgehauen bin, habe ich mich zunächst ausprobiert: Sozialanthropologie, Modebranche, Social-Media-Management. Mich immer wieder neu zu erfinden hat mich zu dem zurückgeführt, was mir immer schon Freude bereitet hat: Geschichten. Während meines Studiums Content-Produktion & Digitales Medienmanagement habe ich beim ORF gearbeitet und war dort drei Jahre lang in der Redaktion von ORF 2. Ich habe Inhalte für Facebook erstellt und dabei eine Zielgruppe kennengelernt, die ganz eigene Bedürfnisse bei der Nutzung von sozialen Medien hat.
Danach habe ich mich als Social-Media-Managerin beim Magazin Moment wieder jüngeren Menschen gewidmet. Als feststand, dass Anđela und ich zu DOSSIER wechseln werden, hat sie zu mir gesagt: ›Wir werden da als ganz andere Menschen rausgehen.‹ Diesen Gedanken finde ich total schön, weil ich glaube, dass ich hier noch mal zu einer besseren Journalistin werden kann. Bei DOSSIER wird im Kollektiv gearbeitet und ein anderer Zugang zum Journalismus gelebt: jener des Slow Journalism. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein Gegensatz zur Schnelligkeit von sozialen Medien, aber gerade diesen Ansatz finde ich an dem Projekt so spannend. Mir ist wichtig, dass wir offen und neugierig bleiben, nicht verzagen und uns nicht zu viel von den Plattformen ärgern lassen.«
Anđela Alexa
Teamleiterin (33)

»In meinem ersten Freundschaftsbuch aus dem Kindergarten stand beim Punkt Berufswunsch ›Reporterin‹. Warum mich dieser Beruf angezogen hat, konnte ich damals nicht erklären. Heute weiß ich, dass es um Sichtbarkeit ging, um Stimmen, die gehört werden. In den Journalismus bin ich vor rund 13 Jahren eingestiegen, zunächst als Radioreporterin, später als Morningshow-Host in einer leitenden Rolle, in der Frauen noch immer die Ausnahme sind. Während dieser Zeit habe ich auch beim Fernsehen gearbeitet und in den darauffolgenden Jahren Video- sowie Podcastformate entwickelt und moderiert. Diese Erfahrungen bestimmen bis heute, wie ich Themen recherchiere, erzähle und für verschiedene Kanäle wirksam aufbereite.
Die Kenntnisse und Einsichten, die ich mir in dieser Branche erarbeitet habe, fließen auch in mein Engagement bei der Vertrauens- und Kompetenzstelle Columna V gegen Belästigung und Gewalt in der Medienbranche ein. Dort arbeite ich gemeinsam mit anderen daran, Strukturen zu verändern und sichere, faire Arbeitsbedingungen in der österreichischen Medienbranche zu fördern. Bei DOSSIER leite ich das Team, das journalistische Formate für junge Menschen entwickelt. Ich arbeite dabei täglich mit einer Generation, deren Themen, Sprache und Mediennutzung meinen beruflichen wie privaten Alltag prägen.«
Lukas Wagner
Videojournalist (42)

»Mein Vater ist ebenfalls Journalist und war bis zu seinem Ruhestand Chefredakteur einer süddeutschen Regionalzeitung. Als Jugendlicher habe ich aber immer den fixen Gedanken gehabt, Künstler werden zu wollen. Ich habe dann in Wien an der Kunstuni studiert, nach zwei, drei Jahren aber gemerkt, dass mir dafür irgendwie der Biss fehlt. Dann habe ich mich umgesehen, was es da noch so gibt, und bin letztlich bei dem Beruf meines Vaters gelandet – und geblieben. Ich habe dann Journalismus studiert, wobei mein Fokus auf dem Visuellen blieb. Ich war zunächst als Videojournalist beim Onlinemagazin Paroli, danach beim Österreich-Ableger der Schweizer NZZ. Später zog ich nach Zürich und wechselte nach einiger Zeit zum SRF, dem öffentlich-rechtlichen Sender der Schweiz. Jetzt bin ich wieder zurück in Wien und als selbstständiger Journalist tätig.
Meine Stärken liegen in animierten Erklärvideos und längeren TV-Reportagen. Die Basis für guten Journalismus sind das faktische Arbeiten und Storytelling. Klar, eine jüngere Zielgruppe konsumiert andere Kanäle und fühlt sich von multimedialen Inhalten eher angesprochen: weniger Text, dafür mehr Bewegtbild und Design. Das heißt aber nicht, dass man den Boden der Objektivität verlassen muss. Man kann als Host vor der Kamera nicht unsichtbar sein, aber die subjektive Sicht auf die Welt darf nicht im Widerspruch zu Tatsachen stehen. Das ist sicher die Gratwanderung, auf die auch wir uns jetzt mit diesem Projekt begeben.«

