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Auch österreichische Banken spielen bei dubiosen Geldflüssen aus der Russischen Waschmaschine eine Rolle. Einmal mehr führt die Spur zur Meinl Bank.

Edward Aslanyan weiß nicht, wie viele Unternehmen er im Moment besitzt. Jedenfalls aber „weniger als hundert“, sagt der Zypriote am Telefon. Aslanyan ist von Beruf Strohmann. Er verdient sein Geld damit, auf dem Papier da zu sein. Er gründet Firmen für ausländische Kunden. Nicht immer geht es dabei einzig um Zyperns niedrige Steuersätze – wie etwa im Fall von Didaxon Trading Limited, einer Briefkastenfirma mit österreichischer Bankverbindung, der Meinl Bank. Aber der Reihe nach.

Am 20. März 2014 geht auf dem Konto der Didaxon Trading Limited mit der Nummer AT341924000000462523 eine Zahlung ein: exakt 148.571 Euro. Absender ist eine weitere Firma, die nur auf dem Papier besteht. Drayscott Overseas LLP mit Sitz in Belfast, Nordirland. Laut Überweisungszweck bezahlt sie an jenem Tag für „elektronische Geräte“. Doch handelt Didaxon tatsächlich mit Elektronik?

Von Drayscott Overseas LLP zu Offshore-Firmen in der ganzen Welt – eine schematische Darstellung der Russischen Waschmaschine in Ermittlungsdokumenten moldawischer Behörden.

Eine Website hat das Unternehmen nicht, auch sonst finden sich keine Hinweise, die auf den Geschäftszweck schließen lassen. Dafür zeigen Ermittlungsakten moldawischer Behörden sowie eine Datenbank, die OCCRP und der russischen Zeitung Novaya Gazeta jüngst zugespielt wurden und DOSSIER vorliegen, dass beide Unternehmen, Drayscott und Didaxon, in ein weltweites Geldwäscheschema verwickelt sind: die Russische Waschmaschine.

Jahrelang floss über das geheime Netzwerk Geld von russischen Konten zu Briefkastenfirmen in Niedrigsteuerländern, vor allem in Großbritannien und Zypern, und von dort in alle Welt. Mehr als 19 Milliarden Euro aus Russland, abgezweigt von öffentlichen Aufträgen, an der Steuer vorbei verdient oder aus dem organisierten Verbrechen. Die Drayscott steckt da mittendrin, sie ist eine jener Briefkästen, über die das Geld verteilt wurde – in diesem Fall an die Didaxon in Zypern. Mit von der Partie: die Wiener Meinl Bank mit Sitz am Bauernmarkt 2 im ersten Wiener Gemeindebezirk. Hier hat die Briefkastenfirma ihr Konto.

Über das Konto der Briefkastenfirma Didaxon bei der Meinl Bank landet russisches Schwarzgeld in der Tasche eines Unbekannten.

„Die Bank hat sich nie bei mir gemeldet“

Bei der Meinl Bank müsste man wissen, womit Didaxon seine Geschäfte gemacht hat. Banken unterliegen strengen Auflagen. Sie müssen die Identität ihrer Kunden feststellen und genaue Aufzeichnungen darüber führen. Know your customer, kenne deinen Kunden, zählt zu den wichtigsten Regeln zur Vermeidung von Geldwäsche. Kennt die Meinl Bank ihren Kunden wirklich? Hat sie, wie gesetzlich verlangt, den Eigentümer zweifelsfrei identifiziert? Edward Aslanyan, der zypriotische Strohmann der Didaxon, sagt zu DOSSIER: „Die Bank hat sich nie bei mir gemeldet.“

Brasilien und Ukraine: Verdacht auf Geldwäsche

Es wäre jedenfalls nicht das erste Mal, dass die Meinl Bank wegen ihres Umgangs mit Briefkastenfirmen und wegen des Verdachts der Geldwäsche Probleme bekommt. Jüngst wurde bekannt, dass die Österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) gegen die Meinl Bank Anzeige erstattete: Geldwäsche durch ein Netz an Briefkastenfirmen, lautet der Verdacht. Wie das Nachrichtenmagazin Profil und der ORF berichten, sollen im Zusammenhang mit einem Korruptionsskandal rund um einen brasilianischen Baukonzern drei Milliarden Euro Schmiergeld von Briefkastenfirmen über Konten bei der Meinl-Tochter Meinl Bank Antigua geschleust worden sein. Die Meinl Bank weist alle Vorwürfe zurück.

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Das ist nicht alles. Ukrainische Behörden und die Staatsanwaltschaft Wien ermitteln zurzeit noch in einem weiteren Fall. Einmal mehr lautet der Verdacht auf Geldwäsche über ein Netz von Briefkastenfirmen. Wie die Tageszeitung Der Standard Ende Februar berichtete, sollen rund 800 Millionen Euro von ukrainischen Banken via Meinl Bank an Briefkastenfirmen verteilt worden sein. Den Stein ins Rollen brachte in diesem Fall die ukrainische NGO Anti-corruption Action Center (Antac). Auch hier weist die Meinl Bank alle Vorwürfe zurück.

Und so auch im Fall der Briefkastenfirma Didaxon in Zypern, die von der Russischen Waschmaschine gespeist wurde. „Unser Institut führt all seine Aktivitäten ausschließlich innerhalb der dafür vorgesehenen nationalen und internationalen Rahmenbedingungen durch“, beantwortet Samira Softic, Vorstandsmitglied der Privatbank, die DOSSIER-Anfrage knapp. Ob der Eigentümer zum Zeitpunkt der Kontoeröffnung zweifelsfrei festgestellt, sonstige Vorsichtsmaßnahmen getroffen wurden oder Verdachtsmeldung bei den Behörden erstattet wurde, könne sie nicht beantworten: „Auch hier halten wir uns präzise an die gesetzlichen Vorgaben“, sagt Softic. Auskünfte könne sie allenfalls den gesetzlich zuständigen Behörden erteilen.

16 weitere Banken involviert

Die Überweisung auf das Meinl-Konto ist eine von 88 fragwürdigen Transaktionen in der Datenbank des OCCRP, in der österreichische Banken involviert sind. Und es ist nicht der einzige Fall, der die Frage aufwirft, ob Banken und Behörden verdächtige Zahlungen durchgerutscht sind.