Das Steirereck ist Weltklasse. Dem österreichischen Restaurant im Wiener Stadtpark sind Auszeichnungen wie Michelin-Sterne und Gault & Millau-Hauben so gewiss wie die vom Gourmetmagazin Falstaff verliehenen Gabeln. Regelmäßig erhält das Lokal die Höchstnote von 100 Falstaff-Punkten, die der Gourmetclub des Magazins vergibt.
Doch als das Steirereck 2007 erstmals in Falstaff zum besten Restaurant des Landes gekürt wurde, sei etwas Erstaunliches passiert, sagt Kulinarik-Journalist Peter Gnaiger. Er war damals im Beirat des Gourmetclubs und erzählt im Gespräch mit DOSSIER von der Abstimmung.
»Es waren drei Lokale gleichauf: Johanna Maier, die Obauer-Brüder und das erste Mal das Steirereck«, sagt er. Was also tun? Ein Beiratsmitglied habe Rat gewusst: »Jemand hat vorgeschlagen, das Steirereck zum besten Restaurant zu küren, weil uns damit die super Geschichte in der Kronen Zeitung sicher sein würde«, so Gnaiger.
Man habe dem Service des Restaurants einen Punkt mehr gegeben, damit es die Konkurrenz überholt – und schon ging das Steirereck als Sieger hervor. »Das Erstaunliche war auch«, sagt er, »dass außer zwei oder drei Wiener Kollegen niemand von uns im Steirereck war. Kaum jemand konnte das Lokal wirklich bewerten.«
Ein Punkt mehr zugunsten eines Testsiegers, der eine Schlagzeile in der größten Tageszeitung des Landes und somit Werbung für das Lokal, aber auch das eigene Magazin bringt?
Falstaff-Punkte sollen Leser·innen verdeutlichen, dass ein Lokal von überprüfter, ausgezeichneter Qualität und das Geld wert sei. Doch handelt es sich dabei tatsächlich um unabhängige journalistische Bewertungen? Oder ist auch im Falstaff-Verlag das hierzulande weitverbreitete Prinzip »Anzeigengeld für wohlwollende Berichte« die treibende Kraft?
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