In Frankreich gehört Kulinarik zur nationalen Identität. Schließlich ist dort die Haute Cuisine, die »gehobene Küche«, entstanden. Insofern ist es keine Überraschung, dass Berichte über Missstände in der Gastronomie in Frankreich auch von der Politik ernst genommen werden.
Im September 2025 fand im französischen Parlament ein Symposium mit dem Titel »Schluss mit der Gewalt in der Küche« statt. Eine der Hauptredner·innen war die Journalistin Nora Bouazzouni, die im Mai desselben Jahres ein aufsehenerregendes Buch veröffentlicht hatte: Gewalt in der Küche: Ein französischer Kodex des Schweigens.
»Es ist ein Buch über Arbeiter·innen, die durch ihre Ausbeutung die Mahlzeiten der Reichen subventionieren«, sagt Bouazzouni im Gespräch mit DOSSIER. Sie beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit der Branche und sammelt Erfahrungsberichte. Eine Online-Umfrage der Journalistin, die sich an aktive und ehemalige Gastro-Beschäftigte richtete, wurde rund 3.500-mal beantwortet.
Ein zentrales Ergebnis: 65 Prozent gaben an, sowohl bereits selbst Opfer von Gewalt geworden zu sein als auch Gewalt bei Kolleg·innen beobachtet zu haben. In 86 Prozent der angegebenen Fälle habe die Tat eine hierarchisch höher gestellte Person begangen. Sexualisierte Übergriffe wurden insgesamt besonders oft genannt. Vergleichbare Umfragen mit ähnlich alarmierenden Ergebnissen gibt es auch in Österreich.
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