Der Chilene Juan ist von der österreichischen Arbeitswelt enttäuscht. Im Februar 2024 hatte er voller Motivation in einem prämierten Wiener Lokal als Koch angefangen. Lange Schichten, Stress, rauer Umgang: All das kannte er schon von anderen Jobs in der Spitzengastronomie. Das mache ihm auch nichts aus, sagt er. Doch was ihm in Wien passiert ist, möchte Juan, der eigentlich anders heißt, einfach nur vergessen. Denn er wirft seinem ehemaligen Arbeitgeber vor, ihn gezielt nach Österreich gelockt, belogen und ausgebeutet zu haben.
Passiert sein soll das in einem Restaurant, in dem das Menü knapp 200 Euro kostet. Nach außen präsentiert sich das Lokal weltoffen und international. Doch ehemalige Angestellte beschreiben den Chef als jemanden, der über Österreicher·innen schimpft, die vermeintlich nicht arbeiten wollen – und Ausländer·innen ausbeutet, die ihre Rechte nicht kennen.
DOSSIER hat mit sieben ehemaligen Mitarbeiter·innen des Lokals gesprochen. Sie alle werfen ihrem ehemaligen Arbeitgeber vor, Arbeitskräfte aus Lateinamerika gezielt einzufliegen und auszubeuten. Zwei der sieben geben an, selbst betroffen gewesen zu sein. Sie sprechen von Lügen, unbezahlten Überstunden, fehlenden Anmeldungen und der Angst, abgeschoben zu werden. Sie legen DOSSIER Schreiben der Arbeiterkammer (AK), Chats und Verträge vor. Sie wirken glaubwürdig. Die Betreiber·innen hingegen streiten alles ab, und auch ihre Argumentation ist nachvollziehbar. Die Vorwürfe lassen sich nicht restlos klären, weshalb das Lokal in diesem Text nicht namentlich genannt wird.
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