Endstation Erwachsenenschutz

Mit acht Jahren erleidet Dragan M. ein schreckliches Trauma – und die sozialen Auffangnetze versagen. Nur dank einer selbstlosen Erwachsenenvertreterin kann er sich über Wasser halten.

Text: Georg Eckelsberger, Fotografie: Tom Linecker

Erwachsenenschutz2.12.2025 

Michi Moik und Dragan M. sind ein ­ungewöhnliches Duo. Auf der einen Seite die zierliche 63-jährige Pensionistin Moik. Ihre Behinderung ist ihr Markenzeichen: »Contergan-­Baby« nennt sie sich selbst, denn ihre Arme sind von Geburt an fehlgebildet, verursacht durch das Beruhigungs­mittel Contergan, das einst bei schwangeren Frauen zur Anwendung kam.

Auf der anderen Seite Dragan M., 33 Jahre alt, ein großer, kräftiger Mann, der auffallend leise und bedacht spricht. Was er im Leben durchmachen musste, sieht man ihm nicht an. Die beiden sind nicht verwandt, trotzdem sagt Dragan »Mama Michi« zu Moik – und Sätze wie: »Sie ist ein Engel für mich.« Dabei ist sie auf dem Papier nur seine Erwachsenenvertreterin. 

In Wahrheit ist sie jedoch viel mehr: Sozialarbeiterin, Bewährungshelferin, Begleiterin bei Behördenwegen, Notfallkontakt, Kreditgeberin – die Liste ließe sich fortsetzen. Moik macht das aus eigenem Antrieb und auf eigene Kosten, denn jemand wie sie ist im österreichischen Sozialsystem nicht vorgesehen.

Ihr Engagement zeigt eine klaffende Lücke in der Versorgung hilfsbedürftiger Menschen. So wie im Fall von Dragan, der als Kind ein schreckliches Trauma erlitt und danach nie wieder auf die Beine kam – auch weil ihm die Gesellschaft nicht die ­nötige Unterstützung bot. Am Ende blieb für ihn, wie für viele andere, nur die Endstation Erwachsenenschutz.

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