Die Preisverdächtigen

Der Österreichische Journalisten-Club betreibt mit dem Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis ein fragwürdiges Geschäft. Sponsoren zahlen zwar viel Geld, aber die Preisträger bekommen keinen Cent. Der Protest gegen die Organisatoren wird immer lauter.

Im Wappensaal des Wiener Rathauses wird seit neun Jahren der Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis übergeben. Am 11. Dezember ist es wieder so weit, die prestigeträchtigen Preise in den Kategorien Print, Radio, TV und Online werden verliehen. Bei der Veranstaltung wird Journalist Max Zirngast über seine Gefangenschaft in der Türkei erzählen, Publizistikprofessor Fritz Hausjell über Gefahren im Journalismus sprechen und die ehemalige ORF-Fernsehsprecherin Heilwig Pfanzelter als Moderatorin durch den Abend führen. In den Pausen gibt es Musik, jeder Preisträger bekommt seine individuelle Laudatio und eine Urkunde. Eine ganz normale Preisverleihung, sollte man meinen. Leider nein.

Diesmal steht der prestigeträchtige Event unter einem dunklen Stern, weil der Veranstalter seit dem Sommer immer wieder in die Schlagzeilen geraten ist. Der Österreichische Journalisten-Club (ÖJC) vergibt nicht nur den Renner-Preis, sondern auch den Claus-Gatterer-Preis. Prominente Journalisten kritisieren die Geschäftspraktiken des ÖJC. Mit der Verleihung von Journalistenpreisen werde der Club immer reicher, heißt es. Das wäre eine Unvereinbarkeit mit den ÖJC-Statuten, weil dort steht: „Die Tätigkeit des Vereines ist nicht auf Gewinn gerichtet.“

Bei der Organisation des Renner-Preises wird die Diskrepanz erneut deutlich. „Die Aufbringung der für den Preis erforderlichen Mittel erfolgt durch die Beiträge des Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis-Kuratoriums, des Österreichischen Journalisten-Clubs und durch Sponsoren, wird in den Statuten des Renner-Preises angeführt. DOSSIER recherchierte Einnahmen und Ausgaben aus dem Titel Renner-Preis – und kam auf verblüffende Ergebnisse: Der ÖJC kassierte zuletzt 7.800 Euro im Jahr.

Keine Sitzungen für das Kuratorium

Ein DOSSIER-Rundruf bei Kuratoriumsmitgliedern wie Flughafen, Oberbank und Wiener Städtische enthüllt Erstaunliches. Für den Renner-Preis zahlen die Unternehmen 1.950 Euro Jahresmitgliedsbeitrag an den ÖJC. Flughafen-Sprecher Peter Kleemann zur Historie mit dem ÖJC: „Soweit sich das heute noch nachvollziehen lässt, wurde die Mitgliedschaft in den 1990er-Jahren abgeschlossen, die jährliche Mitgliedsgebühr dürfte damals bei umgerechnet rund 800 Euro gelegen sein. Der Flughafen erhielt Einladungen zu Veranstaltungen des ÖJC, das Magazin ‚Statement des ÖJC, die Nennung in den diversen Veröffentlichungen (Einladungen, Presseaussendungen, Drucksorten rund um den Renner-Preis).“

An Kuratoriumssitzungen könne sich Kleemann aber nicht erinnern: „Ich schließe nicht aus, dass der Flughafen zu Kuratoriumssitzungen eingeladen wurde, wir haben allerdings nicht teilgenommen.“ Oberbank-Sprecher Alexander Türk: „Die Oberbank zahlt beim ÖJC ihren jährlichen Mitgliedsbeitrag seit 2005, tritt aber darüber hinaus nicht als Sponsor auf.“ Wiener-Städtische-Sprecher Christian Kreuzer: „Ich kann bestätigen, dass wir den Mitgliedsbeitrag in Höhe von 1.950 Euro für den Dr.-Karl-Renner-Preis bezahlen. Grundsätzlich entscheiden wir immer zu Jahresende beziehungsweise Jahresanfang, welche Mitgliedschaften wir weiter beibehalten werden und welche nicht.“ Auch Red Bull blättert 1.950 Euro hin.

Ein kleiner Fehler mit Siemens

Eher nebenbei deckte DOSSIER einen kleinen Etikettenschwindel auf. Die Siemens AG Österreich, die vom ÖJC jahrelang als Renner-Preis-Kuratoriumsmitglied ausgewiesen wurde, ist längst nicht mehr dabei. Siemens-Pressesprecher Gerald Kastner: „Unsere Kündigung ist mit 31.12.2016 in Kraft getreten. Der letzte Mitgliedsbeitrag wurde 2016 überwiesen, das waren damals 1.800 Euro.“ Vorteile aus der Mitgliedschaft? Kastner: „Keine.“ Rolle im Kuratorium? Kastner: „Soweit ich das zurückverfolgen konnte, war dort niemand von uns anwesend oder hat irgendeine Rolle übernommen.“ Im Klartext: Der ÖJC hat drei Jahre lang mit Siemens im Kuratorium geworben, obwohl das Unternehmen nicht mehr dabei war. ÖJC-Präsident Fred Turnheim: „Das war ein Fehler von uns.“ Mittlerweile wurde Siemens von der ÖJC-Homepage gelöscht.

Casinos Austria und Uniqa sind bereits im Vorjahr ausgeschieden. Während die Linzer Oberbank und die Wiener Städtische die Partnerschaft mit dem ÖJC noch evaluieren, ist in Schwechat bereits eine Entscheidung gefallen. Kleemann: „Der Flughafen hat die Mitgliedschaft bereits fristgerecht gekündigt, wir sind nicht mehr Mitglied.“  Red Bull-Sprecherin Tina Deutner wollte keine Stellungnahme abgeben.

Kein Preisgeld, weil „nichts übrigbleibt“

Doch wofür wurden die 7.800 Euro im Jahr 2019 verwendet? Für Preisgeld, Veranstaltungsort, Essen und Trinken bei der Preisverleihung jedenfalls nicht. Diese wohl größten Kostenfaktoren können mit null angesetzt werden. Seit 2010 zahlt der ÖJC kein Preisgeld und nichts für den Wappensaal des Wiener Rathauses. Der Presse- und Informationsdienst (PID) der Stadt Wien hat den Saal inklusive Haustechnik und Catering zum Nulltarif organisiert. PID-Referentin Ingrid Kunz-Henrichs, die für den Renner-Preis zuständig ist, gegenüber DOSSIER: „Dem ÖJC fallen keine Kosten an, weil wir als PID Mitveranstalter sind.“ Warum das Kuratorengeld nicht an die Preisträger ausgeschüttet wird? „Weil nichts übrigbleibt“, sagt ÖJC-Präsident Fred Turnheim gegenüber DOSSIER. Die Ausgaben würden die Einnahmen bei weitem übersteigen: „Die Differenz von 5.129,34 Euro ist vom ÖJC zu tragen.“ Bei Gesamtkosten von 12.929,34 Euro geht sich ein Preisgeld offenbar nicht mehr aus.

Auch DOSSIER wurde 2015 im Wappensaal des Wiener Rathauses mit dem Dr. Karl-Renner-Preis ausgezeichnet – siehe Offenlegung am Ende des Artikels. (Foto: ÖJC)

Das war nicht immer so. Von 1984 bis 2007 wurde der Renner-Preis alle zwei Jahre im prunkvollen Rahmen vergeben, etwa im Marmorsaal des Schlosses Belvedere oder in der fürsterzbischöflichen Residenz Salzburg, und es gab auch ein Preisgeld von 7.000 Euro. Diese Praxis endete 2010. Aus einem Renner-Preis wurden vier Prämierungen in den Kategorien Print, Radio, Fernsehen und Online, die jedes Jahr verliehen wurden.

Zudem wurden Sonderpreise vergeben: für das „Lebenswerk“ (ab 2014), für im Ausland verfolgte Pressevertreter ein Solidaritätspreis (ab 2017) und für investigativen Journalismus (ab 2018). Die Inflation bei der Anzahl der Renner-Preise wurde begleitet von einer beispiellosen Deflation beim Preisgeld: auf null Euro.

Im Jahr 2010 saßen noch zehn Firmen im Renner-Kuratorium: Arbeitersamariterbund, Casinos Austria, Flughafen Wien, Kapsch, Oberbank, Red Bull, Siemens Österreich, Wiener Städtische und Uniqa Versicherung sowie die Gewerkschaft Kunst, Medien, Freie Berufe/Gewerkschaft der Gemeindebediensteten. Heute sind es vier – Tendenz: fallend.

Blumen, Statuetten, Urkunden um Tausende Euro

„Jeder Preis unterliegt auch Zeiterscheinungen“, sagt ÖJC-Präsident Turnheim. Außerdem fielen aufgrund von Firmenzusammenlegungen viele Kuratoriumsfirmen weg. Turnheim: „Wir haben beschlossen, ab diesem Zeitpunkt Kategorien zu vergeben und das amerikanische Award-System einzuführen. Bedeutet drei- bis vielmal mehr Urkunden, Statuen, Blumen et cetera.“ Schwer nachvollziehbar, dass der ÖJC mehrere tausend Euro für Urkunden, Statuen und Blumen ausgibt. Eine von Turnheim übermittelte Aufstellung weist die Gesamtkosten des Renner-Preises mit 12.929,34 Euro aus. Bemerkenswert ist die Kostenaufteilung:

  • 5.000 Euro kosten die „Statuetten inklusive Urheberrecht, Produktion, Beklebung“
  • 2.404 Euro werden für den „Druck Einladungen“ ausgegeben
  • 1.802,34 Euro werden als „Porto für Postversand“ ausgewiesen
  • 1.600 Euro kassieren die bei der Veranstaltung auftretenden Musiker
  • 1.200 Euro sind als „Honorar Moderation“ für Heilwig Pfanzelter budgetiert
  • 468 Euro kosten die „Urkunden“ für vier Kategorien und zwei Sonderpreise
  • 455 Euro lässt sich der ÖJC „Blumen“ für die Veranstaltung kosten

Unter Journalisten sorgt die Kostenaufstellung für Erstaunen. „Bei uns fließt nur Geld an die Preisträger“, sagt Paul Vecsei, Präsidiumsmitglied der Journalistengewerkschaft und leitender Redakteur bei der „Wiener Zeitung“. Die Gewerkschaft vergibt den Robert-Hochner-Preis und den Kurt-Vorhofer-Preis – und beide Preisverleihungen werden von Vecsei organisiert. Bei Hochner- und Vorhofer-Preis werden die Urkunden vom Bundespräsidenten in der Wiener Hofburg überreicht und der Verbund-Konzern finanziert das Preisgeld von jeweils 7.500 Euro. Die Kostenrechnung des ÖJC kann Vecsei nicht nachvollziehen. Statuen, Blumen und Urkunden um fast 6.000 Euro? Vecsei: „Unsere Urkunden kosten fast nix und schöne Blumen gibt’s auch günstiger.“

Bei Hochner- und Vorhofer-Preis werden keine Statuen überreicht. Wenn der ÖJC dem Beispiel folgen würde, blieben schlagartig mehr als 5.000 Euro für die Renner-Preisträger übrig. „Wir würden nie auf die Idee kommen, beim Preisgeld zu sparen“, sagt Vecsei. „Abgesehen vom Preisgeld fließt bei uns kein Cent.“

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Aufstand der Gatterer-Preisträger

Die Geschäftemacherei des ÖJC und dessen Kreativität bei der Kostenrechnung haben eine Protestnote prominenter Journalisten bewirkt. Auslöser war der Tiroler Blogger Markus Wilhelm, der durch seine Ablehnung des Gatterer-Preises im August 2019 eine mediale Lawine lostrat: „Weil das Land Südtirol auf die immer extremeren finanziellen Forderungen des Journalistenclubs nicht mehr eingehen mochte, hat dieser sich neue Geldgeber gesucht und ist butterweich beim Land Burgenland und der Esterházy-Stiftung gelandet. Ausgerechnet. Gatterer kann sich dagegen nicht mehr wehren, also liegt es an mir“, schreibt Wilhelm in seinem Blog dietiwag.org über „Die Herren vom Österreichischen Journalistenclub und ihr Geschäftsmodell Claus-Gatterer-Preis“.

Wilhelms Protest zeigte Wirkung: Sowohl das Land Burgenland als auch die Esterházy-Stiftung zogen sich zurück. Doch das war nur der Anfang. Blogger Wilhelm warf dem ÖJC vor, Sponsoren des Gatterer-Preises ein Vielfaches des Preisgeldes abzuknöpfen. Das Geld würde nicht an die Preisträger, sondern in die Klubkassen fließen, heißt es. Das Verhalten des ÖJC nennt Markus Wilhelm: „Parasitismus am kritischen Journalismus.“ Prominente Gatterer-Preisträger wie Florian Klenk („Falter“), Peter Resetarits („Schauplatz“), Florian Skrabal (DOSSIER) und Armin Wolf („ZiB 2“) schlossen sich Wilhelm an.

Gemeinsam mit zwei Dutzend Journalisten forderten sie den ÖJC auf, den Gatterer-Preis freizugeben. Auch die Ö1-Radiosendung „Doublecheck“ widmete dem Aufstand der Gatterer-Preisträger viel Raum. ÖJC-Präsident Fred Turnheim weist die Kritik am ÖJC zurück: „Die Finanzgebarung ist von Rechnungsprüfern sowie einer externen Steuerberatungskanzlei überprüft und für in Ordnung befunden worden, und die Generalversammlung hat den Vorstand entlastet.“ Sowohl der Gatterer-Preis als auch der Renner-Preis sind eingetragene Markennamen, die dem Journalistenclub gehören. Die Vergabepraxis sei einwandfrei.

Nun bildet sich eine weitere Front beim Renner-Preis. „Dem ÖJC fehlt jede moralische Legitimation, den Renner-Preis zu vergeben, und beim Gatterer-Preis sowieso. Für Geschäftszwecke werden prominente Namen missbraucht“, sagt Franz C. Bauer, ehemaliger Präsident der Journalistengewerkschaft. Karl Renner war eine politische Ikone und ein historisches Schwergewicht. Als erster Staatskanzler nach dem Ersten Weltkrieg gilt Renner als Gründervater der Ersten Republik. Nach dem Untergang des Naziregimes führte er nicht nur die provisorische Regierung Österreichs, sondern amtierte von 1945 bis zu seinem Tod 1950 auch als erster Bundespräsident der Zweiten Republik.

Als die Sektion Journalisten im Gewerkschaftsbund (ÖGB) vor 55 Jahren eine Ehrung für hervorragende journalistische Leistungen ins Leben rief, war Renner der perfekte Namensgeber und die von ihm 1922 als Arbeiterbank gegründete Bawag der ideale Geldgeber. Die Liste der Renner-Preisträger seit 1964 liest sich wie die Crème de la Crème der Austropublizistik: Oscar Bronner, Claus Gatterer, Horst Knapp, Sigrid Löffler, Hugo Portisch, Kurt Vorhofer oder Alfred Worm. Die Journalistengewerkschaft hat eine historische Beziehung zum Renner-Preis.

Anfang der Achtzigerjahre gab es die erste Zäsur in der Geschichte des ehrwürdigen Renner-Preises. Damals nahmen die Sozialdemokraten dem Journalistengewerkschafter Günther Nenning sein Engagement bei der Besetzung der Hainburger Au krumm und warfen ihm seine Nähe zur aufkeimenden Grünen-Bewegung vor. In einem Nebenschauplatz des Nenning-Konflikts wurde der Renner-Preis 1984 aus der Gewerkschaft herausgeschält und an den ÖJC weitergereicht, der die Preisverleihung seither organisiert. 1998 gerieten Renner-Preis und ÖJC in die Schlagzeilen.

Kriminalfall rund um verbrannte Sparbücher

Diesmal ging es um Brandstiftung und Veruntreuung von Sparbüchern. Die damaligen Klubräume fielen Flammen zum Opfer. Das Feuer vernichtete die Sparbücher. Ein hoher ÖJC-Funktionär kam auf die Anklagebank. „Das war ein echter Kriminalfall“, erinnert sich Paul Vecsei, damals Vizepräsident der Journalistengewerkschaft. Die Malversationen wurden „außerhalb der Branchenblätter heruntergespielt oder totgeschwiegen, weil der Berufsstand nicht in Verruf“ gebracht werden sollte. So wuchs Gras über die Sache.

„Die Gebarung des ÖJC war schon immer ein Geheimnis“, sagt Vecsei gegenüber DOSSIER. „Als ich Rechnungsprüfer des ÖJC war, wollte ich mir die Buchhaltung genauer anschauen. Das wurde mir aber verweigert und keine einzige Rechnung vorgelegt. Weil ich lästig wurde, haben mich Herr Turnheim und seine Leute aus dem ÖJC ausgeschlossen, mit dem Vorwand, dass ich meine Mitgliedsbeiträge nicht bezahlt hätte. Das war Blödsinn, aber im ÖJC hat das keinen interessiert. Turnheims Worte waren und sind dort Gesetz.“

Damals wie heute werden Vorwürfe unlauteren Handelns wortgewaltig bestritten. „Der Österreichische Journalisten-Club hat wieder seine Arbeit aufgenommen“, schrieb Fred Turnheim etwa in einer OTS-Presseaussendung am 13. Februar 1998 zum Skandal im ÖJC. „Eine erste interne Revision hat ergeben, dass aus dem Bereich der Finanzierung der beiden Journalistenpreise ‚Prof.-Claus-Gatterer-Preis‘ und ‚Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis‘ kein einziger Groschen ‚verschwunden‘ oder unrechtsmäßig verwendet wurde.“ Der Renner-Preis sei 1984 von der Sektion Journalisten mit allen Rechten und Pflichten an den ÖJC übergeben worden. „Die Beschlussprotokolle sind noch immer vorhanden und nicht verbrannt. Weiters gibt es für beide Preise einen aktiven Markenschutz.“

„Schon damals wurden diese falschen Gerüchte gestreut“, sagt Turnheim gegenüber DOSSIER. Die Gebarung des Klubs sei okay gewesen. „Fakt ist: Der Brandstifter wurde rechtskräftig verurteilt. Das verbrannte Sparbuch wurde naturgemäß nicht wieder gefunden. Der ÖJC hat einen Zivilrechtstitel gegen den Brandstifter. Eine Überprüfung durch Buchprüfer hat ergeben, dass der ÖJC einwandfrei und sauber gearbeitet hat.“

Preise abgelehnt

Die Diskussion rund um den ÖJC führt in Journalistenkreisen zum Umdenken. Den Anfang machte Markus Wilhelm, als er den Gatterer-Preis 2019 ablehnte. „Nach alldem, was hier und schon früher gesagt und gezeigt worden ist, sollte kein ernstzunehmender Journalist, keine wirklich engagierte Journalistin mehr den Gatterer-Preis oder den Renner-Preis annehmen, solange er noch von diesem Österreichischen Journalisten Club vergeben wird“, schreibt er auf seinem Blog.

Die „Wienerin“-Redakteurin Eja Kapeller setzt nun ebenfalls ein Zeichen. Eigentlich sollte ihre Geschichte „Die Standleitung“ (erschienen im DOSSIER-Magazin im April 2019) als herausragende investigative Leistung mit dem Renner-Preis gewürdigt werden. Doch Kapeller folgt dem Beispiel von Wilhelm: „Ich habe mich dazu entschlossen, den Dr.Karl-Renner-Publizistikpreis nicht anzunehmen, da für mich die Vorwürfe gegenüber dem ÖJC betreffend die Finanzierung des Claus-Gatterer-Preises nicht ausreichend geklärt sind.“ Der ÖJC war baff. Kapellers Kritik am Klub war angekommen.


Offenlegung

DOSSIER wurde 2014 mit einer Ehrenden Anerkennung im Rahmen des Claus-Gatterer-Preises und 2015 mit dem Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis ausgezeichnet. Preisgeld für die Redaktion gab es nicht, die Fahrtspesen zur Preisverleihung in Südtirol wurden ersetzt. DOSSIER-Chefredakteur Florian Skrabal ist im Vorstand des Presseclubs Concordia. Er unterrichtete mehrfach für den ÖJC. Für einen dreistündigen Workshop „Investigativer Journalismus“ erhielt er 90 Euro.