
»Pseudorama« erzählt die Geschichte eines älteren Mannes, der sich im März 2020 auf eine norddeutsche Insel zurückzieht. Diese ist für ihn ein vertrauter Ort aus seiner Kindheit, den er von Familienurlauben kennt – ein Ort, wo er zur Ruhe kommen kann. Und doch drängt sich die Welt da draußen auf. Eine Pandemie ist ausgebrochen: erst als vage Sorge, dann als Nachrichtenflut und schließlich als existenzielle Verunsicherung.
Bald meldet sich neben seiner eigenen Stimme eine zweite Instanz – fordernd, kommentierend, manipulierend. Die Grenzen zwischen Realität und Projektion beginnen zu verschwimmen. Der Mann, der zwischen Angst, Einsamkeit und Wut irrlichtert, versinkt in einem Sumpf aus Desinformation und Realitätsverleugnung.
In dem Theaterstück – einer Koproduktion des Wiener Volkstheaters und DARUM in Kooperation mit DOSSIER – geht es nicht um Abrechnung oder Anklage. Es geht um Annäherung. Die Inszenierung zeichnet emotional und gedanklich nach, wie sich ein Weltbild verschieben kann – in Isolation, durch mediale Reizüberflutung und gezielte sowie immer intensiver werdende Manipulation. Und wie sich eine zweite, alternative Realität bilden kann, hermetisch abgeschlossen, emotional aufgeladen, ein »Pseudorama« eben.
Es ist ein Stück über Ohnmacht, Orientierungssuche, gefährliche Echokammern und das fragile Verhältnis zwischen innerer und äußerer Wirklichkeit – mitten in einem kollektiven Ausnahmezustand.
Inszenierung trifft auf Fakten
Das Theaterstück basiert auf DOSSIER-Recherchen für die Magazinausgabe »Propaganda – Kampf um die Wahrheit«. Im Wechselspiel mit Victoria Halper und Kai Krösche, die das DARUM-Kollektiv leiten, das Stück geschrieben haben und Regie führen, haben wir weitere Fakten recherchiert. Neben der fiktiven Rahmenhandlung orientiert sich Pseudorama an Tatsachen in Bezug auf die Pandemie.
Für uns sind das Stück und die erstmalige Zusammenarbeit mit dem Kollektiv DARUM ein Experiment: Über weite Strecken findet die rund 70 Minuten lange Inszenierung in kompletter Dunkelheit statt – durchbrochen von Lichtblitzen, die wie kurze Schlaglichter Erinnerungen, Gedankensprünge und mediale Eindrücke markieren. Dieser Lichtraum wird gemeinsam mit der Fotografin Apollonia T. Bitzan entworfen. Der Musiker Arthur Fussy liefert eine experimentelle Komposition, die den Zustand der Hauptfigur immersiv und räumlich übersetzt. Also: Vorhang auf!
»Pseudorama« feiert am 13. September 2025 Premiere, die Vorstellungen in der Dunkelkammer des Wiener Volkstheaters beginnen jeweils um 20 Uhr. Karten erhalten Sie im Ticketshop des Theaters.
DARUM steht für Theater, das nicht nur aufführt, sondern aufrüttelt und letztlich der Frage nachgeht, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Seit der Gründung im Jahr 2018 schafft DARUM unter der künstlerischen Leitung von Victoria Halper und Kai Krösche Theater- und Medienkunst, die danach strebt, »den Fokus auf das Unversöhnte und Widersprüchliche und die damit oft verbundenen Ausnahmezustände in unserer Gesellschaft zu lenken«. Mehr Infos finden Sie unter www.darum.at.

