Medien: Keine Inklusion, keine Antwort

Der Großteil österreichischer Medienhäuser hat entweder zu wenige oder gar keine Menschen mit Behinderungen angestellt. Über ihr Scheitern an der Beschäftigungspflicht wollen sie lieber nicht reden.

Ausgleichstaxe22.4.2025 

Text: Maximilian Passruck
Datenauswertung: Markus Hametner
Artwork: Jakob Listabarth

Diese Recherche ist in Zusammenarbeit mit der inklusiven Redaktion »andererseits« entstanden

In Österreichs Medienhäusern wird keine Rücksicht auf die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen genommen. Von 13 ausgewerteten Medien erfüllen nur zwei die Beschäftigungspflicht. In drei Unternehmen war sogar keine einzige Person mit einer Behinderung angestellt. Wie aber sollen Redaktionen derart die Gesellschaft und die Themen, die diese beschäftigen, so gut wie möglich abbilden?

Antworten darauf bleiben fast alle Medien schuldig. Kaum jemand hat auf unsere Anfragen reagiert. Keine Antwort gab es von den reichweitenstärksten Medien des Landes, Kronen Zeitung, Heute (AHVV-Verlag) und Österreich. Auch die Tageszeitungen Kurier und Presse haben nicht auf unsere Anfrage reagiert. Außerdem gab es trotz mehrmaliger Nachfrage auch von Profil, Kronehit, dem Verlag hinter Magazinen wie News oder Woman (VGN Medien Holding) sowie der Austria Press Agentur (APA) keine Rückmeldung.

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Dabei hätte beispielsweise die VGN Holding viel Positives zu berichten: Sowohl im September 2020 als auch im September 2022 kam der Verlag auf einen Erfüllungsgrad von 300 Prozent. Im Gegensatz dazu haben Falter, Profil und Österreich keine einzige Pflichtstelle besetzt. 

Einzig der Falter wollte dazu etwas sagen. Das Problem liege an dem Bürogebäude, in dem die Falter-Redaktion eingemietet sei: »Unsere Versuche, in ein anderes, entsprechendes Gebäude zu wechseln, sind aufgrund der immensen Kosten für neuen Büroraum gescheitert«, schreibt uns der Geschäftsführer. Eine Erklärung für die nicht besetzten Pflichtstellen ist das jedoch nicht. Nur ein Teil der Menschen mit Behinderungen ist auf bauliche Barrierefreiheit angewiesen, Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Autismus werden hier offenbar von der Falter-Redaktion ganz ausgeblendet.

Bei der Prosieben-Gruppe erkennt man immerhin an, dass man im Bereich Inklusion noch am Anfang steht. Im September 2022 war nur eine der insgesamt acht Pflichtstellen besetzt. Für eine gelungene Inklusion am Arbeitsplatz bräuchte es neben mehr Bewusstsein aber auch mehr Unterstützung, schreibt eine Sprecherin, beispielsweise bei der Förderung von Kosten für ein barrierefreies Büro.