Mangelhafte Inklusion im Sozialbereich
Gemeinnützige Hilfsorganisationen wie Caritas und Volkshilfe erfüllen die Beschäftigungspflicht nicht. Warum scheitert ausgerechnet der Sozialbereich an der Inklusion?
Ausgleichstaxe22.4.2025 
Text: Maximilian Passruck
Datenauswertung: Markus Hametner
Artwork: Jakob Listabarth
Diese Recherche ist in Zusammenarbeit mit der inklusiven Redaktion »andererseits« entstanden
Gemeinnützige Organisationen wie Caritas, Rotes Kreuz und Volkshilfe schaffen es nicht, die Beschäftigungspflicht einzuhalten. Von fünf untersuchten Organisationen konnte im September 2022 keine einzige die vorgeschriebenen Pflichtstellen für Menschen mit Behinderungen besetzen.
Schlusslicht ist das Rote Kreuz. Das begründet Österreichs größte gemeinnützige Organisation mit den drei Geschäftsfeldern Pflege, Rettungsdienst sowie Wohnungslosen- und Flüchtlingshilfe so: »In diesen Bereichen ist es sehr herausfordernd und teilweise unmöglich, Menschen mit Beeinträchtigung einzusetzen.«
Ähnliche Probleme hat auch das Hilfswerk. Es würden sich für die ausgeschriebenen Stellen zu wenige Menschen mit Behinderungen bewerben, heißt es auf Anfrage: »Das liegt mitunter auch an der Art der ausgeschriebenen Positionen. Denn gerade im Bereich Pflege ist die Arbeit beispielsweise körperlich fordernd.«
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Die Caritas konnte die Beschäftigungspflicht im September 2020 mit 102 Prozent noch übererfüllen, doch schon zwei Jahre später liegt der Wert nur noch bei 94 Prozent. Im Pflegebereich, in dem es der Organisation am meisten schwerfiel, die Pflichtstellen zu besetzen, sei die Erfüllung der Quote aber bereits gelungen. Um in Zukunft insgesamt besser abzuschneiden, wurde eigenen Angaben nach 2023 ein Ability-Management eingeführt.
Die Diakonie sieht vor allem bei den Rahmenbedingung Verbesserungsbedarf, um die Beschäftigungspflicht in Zukunft erfüllen zu können. Zum einen fordert sie eine Reform der Ausgleichstaxe, da die Beträge insbesondere für große Betriebe kein Problem seien. Zum anderen müsse für eine gelingende Inklusion am Arbeitsplatz bereits in der Bildung angesetzt werden, um auch Menschen mit Behinderungen den Erwerb von entsprechenden Qualifikationen zu ermöglichen.
Maßnahmen setzt etwa die Volkshilfe. Um auch jungen Menschen mit Behinderung eine entsprechende Ausbildung zu ermöglichen, betreibt man für das Sozialministerium die Angebote »Jobtrain« und »Jobfabrik«. Doch auch diese Schritte haben nicht ausgereicht, um im September 2022 das Soll zu erfüllen. Die Bilanz: –48 von 62 Pflichtstellen waren besetzt.