Die Drogeriekette Müller und der tragische Abschied des Ahmet H.

Vor einiger Zeit meldeten sich Kollegen des deutschen Magazins Stern in der DOSSIER-Redaktion: Sie recherchierten gerade eine große Geschichte über den deutschen Drogerie-Milliardär Erwin Müller, Mobbing von Mitarbeitern und einen jungen Mann, der keinen Ausweg mehr sah, als sich das Leben zu nehmen. Die Spur führte nach Österreich.

Magazin „stern” vom 11.05.2017

Einige Wochen später saßen wir gemeinsam mit Stern-Reporter Dirk Liedtke in einer Wohnung in Tirol. Dort erzählte uns die Familie von Ahmet von ihrem verstorbenen Sohn und Bruder: Sie erzählten von seiner Jugend, in der er begann sich für Politik zu interessieren; von seiner Arbeit bei der Drogeriekette Müller und davon, wie er den Plan fasste einen Betriebsrat zu gründen, um Missstände im Arbeitsalltag zu bekämpfen.

Ahmet wurde daraufhin strafversetzt, vom Firmenchef unter Druck gesetzt und verlor schließlich seinen Job. Danach kam der junge Mann nicht mehr auf die Beine: Geldprobleme, Beziehungsprobleme, Depression. „Ich bekomme keine Luft mehr“, sagte Ahmet am 20. April 2011 in die Webcam seines Laptops. Und er sagte: „Dieser Müller, was soll ich sagen?“ Es war sein Abschiedsvideo.

Dass wir dieses letzte Dokument von Ahmets Geschichte kennen, verdanken wir der akribischen Arbeit eines Datenforensikers: Er half uns die Festplatte, die in der Zwischenzeit formatiert und überspielt worden war, wiederherzustellen.

Der Stern berichtete in der Ausgabe vom 11.05.2017 über Ahmets Fall – und über weitere Beispiele, die zeigen, wie die Drogeriekette Müller und Firmenchef Erwin Müller mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umgehen. Die Geschichte ist auch für Österreich relevant: Im Februar 2017 geriet das Unternehmen auch hier in die Schlagzeilen, weil die Firmenleitung eine Mitarbeiterin gekündigt haben soll, die einen Betriebsrat gründen wollte.

Update:

Der Artikel „Der Chef hört mit“ ist jetzt auch online kostenlos verfügbar.