„Das Leben ist ein Abfahrtslauf“

ORF-Quizmaster Armin Assinger soll Aufsichtsratsvorsitzender der neuen Sportfördereinrichtung des Bundes werden – Minister Doskozil: Kein Kommentar

Armin Assinger ist vielseitig. Der ehemalige Skirennläufer moderiert seit Jahren eine erfolgreiche Quizsendung im ORF („Millionenshow“) und hat sogar einen Motivationsvortrag im Programm („Das Leben ist ein Abfahrtslauf“). Er ist der Prototyp eines (Ex-)Sportlers, wie ihn sich Sportminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) mehrfach öffentlich für die Leitungsfunktionen der neuen Bundessportgesellschaft (BSG) gewünscht hat: erfolgreich, schlagfertig, prominent, modern. Wie mehrere Quellen DOSSIER unabhängig voneinander berichten, wird Assinger derzeit für den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden der BSG gehandelt.  

Und es könnte schnell gehen. Denn in den letzten Wochen der Regierung herrscht Bewegung im Sportministerium. Im Fall einer neuen Koalition erhält das Sportministerium einen neuen Chef oder eine Chefin. Doskozil will deshalb noch vor der Wahl am 15. Oktober die BSG nach seinen Vorstellungen ausgestattet und sein großes Vorhaben durchgezogen haben: die Reform der mit reichlich Geld, aber wenig Effizienz ausgestatteten Bundessportförderung. Die Blamagen bei den Olympischen Spielen in London 2012 (null Medaillen) und Rio 2016 (eine Bronzemedaille) sollen sich nicht wiederholen.

Also ließ er das Bundessportförderungsgesetz 2017 schreiben und der darin vorgesehenen BSG alle Förderkompetenzen des Ministeriums übertragen. Die Gesellschaft verteilt ab dem Beginn ihrer Tätigkeit am 1. Jänner 2018 rund 120 Millionen Euro Förderungen. Pro Jahr. An Sportler, Verbände, für Infrastruktureinrichtungen und Sportereignisse wie die Nordische Ski-WM in Seefeld 2019, für die der Bund bisher rund zehn und das Land Tirol rund 14 Millionen Euro gewidmet haben.

Die richtige Wahl?

Wissenschaftler wie der Sportpsychologe Günter Amesberger von der Universität Salzburg halten die BSG grundsätzlich für eine „Chance, die verzweigte Förderlandschaft zu bündeln“. Amesberger begleitete unter anderem die Segler Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher zu ihren zwei Olympiasiegen, er weiß also, wovon er redet. Es komme im neuen System allerdings „ganz stark auf die handelnden Personen an“, sagt Amesberger. „Das alles wird nur möglich sein, wenn in der Gesellschaft wirkliche Experten arbeiten.“

Ob der Ex-Sportler und Quizmaster Assinger, der nie mit Sportförderung zu tun hatte, ein solcher Experte ist? Assingers und des Aufsichtsrats erste Aufgabe wird es sein, dem Minister aus rund 17 Bewerbern einen Dreiervorschlag für den oder die „Geschäftsführer/in für Förderung der Sportorganisationen“ der BSG zu übermitteln. Den zweiten, für das Budget verantwortlichen Geschäftsführer, ernennt der Minister direkt.

Noch hat sich der Aufsichtsrat nicht konstituiert. Zwei von Assingers Aufsichtsratskollegen scheinen laut DOSSIER-Quellen aber ebenfalls schon festzustehen: Rudolf Hundstorfer, Präsident der Österreichischen Bundessportorganisation (BSO), und der Präsident des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC) Karl Stoss. Der vierte Aufsichtsrat wird vom Finanzministerium beschickt.  

Aus dem Sportministerium hieß es auf eine Anfrage zu den DOSSIER vorliegenden Informationen nur knapp: „Kein Kommentar.“ Armin Assinger reagierte auf mehrfache Anfragen um Kontaktaufnahme nicht.

Teaserfoto: Alfred Pertl (CC BY-SA 4.0)